Rettungsplan Griechenland: Zehn Grafiken zum Verständnis der griechischen Krise

29. August 2018 – Alternatives économiques (Paris)

Am 20. August hat Griechenland die Aufsicht der Troika verlassen, die sich aus der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds zusammensetzt. Ihre Intervention wird in die Geschichte eingehen, und zwar als Modell dafür, was man auf keinen Fall tun sollte, wenn man einem Land wirklich helfen will, sich zu erholen...

Seit dem 20. August untersteht Griechenland nicht mehr der Aufsicht der Troika, die aus der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds besteht. Zwar zeichnete sich die griechische Halbinsel durch einen besonders schlecht funktionierenden Staat und einen unleugbaren Bedarf an weitreichenden Reformen aus, allerdings haben sich fast alle wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren des Landes infolge der seit 2010 von der Troika verfolgten Politik stark verschlechtert. Darunter auch die öffentlichen Schulden, welche diese Politik eigentlich wieder unter Kontrolle bringen sollte. Diese Intervention wird als Modell dafür in die Geschichte eingehen, was man auf jeden Fall nicht tun sollte, wenn man einem Land wirklich dabei helfen will, sich wieder zu erholen...

Der Niedergang Griechenlands spiegelt sich nicht nur in den Finanz- und Wirtschaftsstatistiken wider. Er ist auch offensichtlich, wenn man sich die demografischen Indikatoren ansieht. Dies macht deutlich, dass das Übel längst nicht vorbei ist. Seit 2008 hat Griechenland über eine Million Einwohner verloren, während die Eurozone mehr als acht Millionen gewonnen hat.

Darüber hinaus sind es vor allem junge Menschen, die das Land verlassen haben, und vor allem die Qualifiziertesten unter ihnen. Von zehn Millionen Einwohnern zählt Griechenland fast 500.000 junge Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren weniger als im Jahr 2008. Dieser Mangel an jungen Fachkräften verschlechtert die Fähigkeit des Landes, sich in Zukunft zu erholen.

Andererseits sind die älteren Menschen verständlicherweise vor Ort geblieben, was die Schwierigkeiten der Sozialsysteme nur noch verschärft.

Die Sparmaßnahmen, die Griechenland auferlegt wurden, haben dazu geführt, dass es zwischen 2008 und 2013 fast jeden fünften Arbeitsplatz, d.h. 860.000 Stellen, eingebüßt hat. Seitdem wurden nur 240.000 wieder errungen.

Die Krise hatte zu einer Explosion der Arbeitslosigkeit geführt und im Jahr 2013 einen Höchststand von 28 Prozent erreicht. Seitdem ist sie langsam zurückgegangen, wird nach Angaben der Europäischen Kommission allerdings in diesem Jahr voraussichtlich wieder über 20 Prozent liegen.

Ein wesentlicher Teil dieses Rückgangs ist jedoch vielmehr auf die Abwanderung junger Menschen als auf die Verbesserung der Beschäftigungssituation zurückzuführen.

Unter dem Einfluss der Sparmaßnahmen ist die griechische Binnennachfrage um mehr als 30 Prozent zurückgegangen und hat sich in den letzten Jahren kaum erholt. Dies ist ein Rückgang in einem Ausmaß, das mit den derzeitigen Entwicklungen der venezolanischen Wirtschaft vergleichbar ist...

Ferner sind die öffentlichen Ausgaben um mehr als ein Viertel zurückgegangen – auch wenn sie sich derzeit etwas erholen. Dies hat zu einer starken Verlangsamung der Unterhaltung der Infrastrukturen, enormen Problemen im Gesundheits- oder Bildungssystem, sowie einer massiven Verarmung der (zahlreichen) Rentner geführt, die mangels Alternativen im Land verblieben sind.

Es ist nicht klar, wie all diese zusätzlichen Schwierigkeiten dazu beitragen könnten, die Wirtschaft des Landes in Zukunft wieder in Gang zu bringen...

Schlimmer noch ist, dass diese massive Sparsamkeit und insbesondere der drastische Rückgang der öffentlichen Ausgaben trotz des teilweisen Schuldenerlasses im Jahr 2012 überhaupt nicht dazu beigetragen hat, die Staatsverschuldung des Landes einzudämmen: Seitdem ist die Staatsverschuldung um 20 Prozentpunkte des BIP gestiegen und hat sich in den letzten Jahren kaum verringert.

Wenn ein Land in Deflation und Rezession gehalten wird, ist es ohnehin nicht in der Lage, seine Schulden abzubauen. Und für die Zukunft glaubt niemand ernsthaft daran, dass es dem griechischen Staat gelingen wird, seine gegenwärtigen Schulden zurückzuzahlen. Es handelt sich nur um einen Aufschub.

Dementsprechend sind die griechischen Einkommen gesunken und haben durchschnittlich mehr als zehn Prozent der Kaufkraft verloren; trotz des inzwischen in Griechenland beobachteten Preisrückgangs. Währenddessen legten die anderen Europäer trotz der Krise durchschnittlich mehr als zehn Prozent Kaufkraft zu, wodurch sich die Unterschiede innerhalb des Euroraums erneut vergrößert haben.

Die griechischen Reallöhne sind im Durchschnitt um mehr als 15 Prozent gesunken und nehmen auch weiterhin ab.

Die von der Troika zunächst besonders ungerecht kalkulierte Sparpolitik hatte zwischen 2010 und 2012 bereits sehr hohe Ungleichheiten verursacht. Seit der Machtübernahme von Syriza im Jahr 2015 sind diese jedoch etwas zurückgegangen, zumal die griechische Regierung von der Troika Steuergerechtigkeits-Maßnahmen erzwungen hat.

Aus dem Französischen von Julia Heinemann

This article is published in association with The European Data Journalism Network.

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