Im Juni veröffentlichte UNICEF, das UN-Kinderhilfswerk, einenBericht über familienfreundliche Politiken in OECD- und EU-Ländern. Der Bericht konzentriert sich auf zwei Schlüssel-Politiken: Kinderbetreuungsurlaub für Eltern und frühkindliche Bildung sowie Betreuung von Vorschulkindern.

Obwohl die Studie keine Bestimmungen innerhalb von Ländern untersucht, die je nach Region und Beschäftigungssektor unterschiedlich sind, geht es um gesetzliche Ansprüche, die 2016 landesweit verfügbar waren. Damit liefert sie ausreichende Daten, um den derzeitigen Stand familienfreundlicher Politik in den EU-Mitgliedstaaten zu vergleichen.

Genauer gesagt stützt sich die Untersuchung auf vier Indikatoren, nämlich „die Dauer des bezahlten Urlaubs, der Müttern zur Verfügung steht; die Dauer der bezahlten Freistellung, die ganz speziell Vätern vorbehalten ist; der Anteil der Kinder unter drei Jahren in Kindertagesstätten; und der Anteil der Kinder zwischen drei Jahren und dem schulpflichtigen Alter, die Vorschulen oder Kindertagesstätten besuchen“. Während der bezahlte Urlaub in Form von Urlaubswochen in voller Höhe gemessen wird, wird der Anteil der Kinder in Kindertagesstätten und Vorschulen in Prozent der Gesamtzahl der Kinder angegeben.

Abbildung 1 stellt die Rangfolge der EU-Länder (plus Norwegen) im Verhältnis zu jedem der vier Indikatoren in Form einer Heatmap dar.

Ausgehend von der Leistung der einzelnen Länder und den vier Indikatoren errechneten die Forscher einen durchschnittlichen Ranglisten-Wert. Abbildung 2 zeigt die entsprechenden Ergebnisse.

Wie die Autoren des Berichts in ihren Ergebnissen darlegen, belegen „Schweden, Norwegen und Island (in unseren Rankings nicht erfasst) die ersten drei Plätze in der Rangliste der nationalen, familienfreundlichen Politiken“. Am unteren Ende befinden sich stattdessen „Zypern und Griechenland“.

Auf der Suche nach Mustern

Der Durchschnittswert scheint die gemeinsame Sichtweise zu bestätigen, dass die zu Nordeuropa gehörenden Länder robustere und familienfreundlichere Wohlfahrtsstaaten aufweisen. Ausgehend von dieser Überlegung haben wir versucht, der Analyse eine weitere Ebene hinzuzufügen: Die Leistung der verschiedenen „Wohlfahrtsmodelle“ in Europa in Bezug auf familienfreundliche Politiken. Daher haben wir in der folgenden Grafik jeden Mitgliedstaat nach der Art des Wohlfahrtsstaates, zu dem er gehört, gefärbt.

Um die verschiedenen Arten von Wohlfahrtsstaats-Modellen zu identifizieren, haben wir uns auf das offene E-Tools-ProjektLearn Europegestützt. Laut einem Eintrag im Learn Europe-Projekt ist es möglich, bis zu sechs Wohlfahrtsstaats-Modelle in ganz Europa zu unterscheiden. Dennoch haben wir uns (anders als auf der Learn Europe-Website vorgeschlagen) entschieden, Rumänien in die postkommunistischen Wohlfahrts-Modelle aufzunehmen, da sich das Land sonst als eigenständige Kategorie abheben würde. (In der Learn Europe-Kategorie stellt Rumänien das einzige „Entwicklungsland-Modell“ dar.) Daher ergeben sich am Ende fünf Gruppen von Sozialstaatsmodellen:

  • das sozialdemokratische/nordische Modell

  • das konservative/korporatistische Modell

  • das angelsächsische/liberales Modell

  • das Modell der ehemaligen UdSSR

  • das Modell des postkommunistischen Europas

Durch diese Kategorisierung lässt sich feststellen, dass die Leistungsfähigkeit der europäischen Sozialstaatsmodelle erheblich variiert – je nachdem, welche spezifische familienfreundliche Politik berücksichtigt wird.

So schneiden beispielsweise Länder mit einem Wohlfahrtsmodell, das von den Bezeichnungen „ehemalige UdSSR“ und „postkommunistisches Europa“ definiert wird, am besten ab, wenn es um den „bezahlten Urlaub für Mütter“ geht. Im Gegenteil dazu liegen die letztgenannten Länder bei Betrachtung der anderen drei Indikatoren auf dem letzten Platz. Insgesamt schneiden Länder mit „liberalen Modellen“ in allen vier Kategorien eher schwach ab. (Mit Ausnahme Irlands, was die Anmeldung für Kinderbetreuung im Vorschulalter betrifft.) Besonders beunruhigend ist die Platzierung des Vereinigten Königreichs.