Ende Juli veröffentlichte dieWeltorganisation für geistiges Eigentum (eine 192 Mitgliedstaaten umfassende, sich selbst finanzierende Organisation der Vereinten Nationen) die 12. Auflage des Global Innovation Index (GII). Dieser misst die Leistung eines Landes bei der Schaffung der richtigen Voraussetzungen für das Entstehen neuer Technologien und innovativer Prozesse.

Der GII ist das Ergebnis eines Mittelwertes zwischen zwei Subindizes: dem Innovations-Sub-Input-Index und dem Innovations-Sub-Output-Index. Ersterer „definiert Aspekte des Umfeldes, das der Innovation innerhalb einer Wirtschaft förderlich ist“ und basiert auf fünf Säulen: Institutionen, Humankapital und Forschung, Infrastruktur, Marktniveau und Geschäfts-Ausgereiftheit. Der Sub-Output-Index basiert auf zwei Säulen: Wissens- und Technologie-Ergebnisse sowie kreative Leistungen. Was also treibt Innovation europaweit an?

Der GII und seine Subindizes

In den folgenden farbigen Balkendiagrammen ist zu beobachten, wie sich die Länder in Europa innerhalb des GII entwickeln. Die Schweiz, Norwegen und Island (Nicht-EU-Länder mit hohem Einkommen) sind dunkelgrau gefärbt, während Nicht-EU-Länder auf dem Balkan und im Osten mittel- und hellgrau gefärbt sind. Die EU-Länder sind dagegen entsprechend ihrer regionalen Verteilung innerhalb der Union eingefärbt: Nördlich (blau), baltisch (hellblau), zentral-westlich (violett), zentral-östlich (braun), südlich (rot).

Bezogen auf den GII-Gesamtwert (Abbildung 1) liegen die Länder der nördlichen EU an der Spitze, gefolgt von den mittelwestlichen Staaten. Estland scheint im Vergleich zu seinen regionalen Partnern ein Sonderfall zu sein. Die Schweiz übertrifft alle EU-Mitgliedstaaten und ist bezüglich des GII weltweit führend. Im Gegenteil dazu schneidet Rumänien schlechter ab als andere Nicht-EU-Länder im Osten und auf dem Balkan.

Bei den Input-Faktoren verbessert sich Norwegen auf der Rangliste. Mit Blick auf die EU ist der Vorsprung der nördlichen EU-Länder noch größer. Zwei südliche Länder (Malta und Zypern) liegen vor einigen der zentral-westlichen Staaten (Belgien und Österreich). Was den Output-Index betrifft, so ähnelt das obere Ende der Rangliste eher dem Gesamtergebnis, mit der bemerkenswerten Ausnahme der Niederlande, die nun an der Spitze der EU-Rangliste stehen.

Input- und Output-Säulen

In den Grafiken 3 bis 8 untersuchen wir die Komponenten des Sub-Input- und Sub-Output-Indexes näher.

Innerhalb der institutionellen Säule spielen „Regierungs-Effizienz und politische Stabilität“ eine wichtige Rolle, ebenso wie niedrige „Kosten für Entlassungen/Kündigungen“ (Regelungsrahmen) und die „Leichtigkeit der Unternehmensgründung oder Insolvenzabwicklung“ (Unternehmensumfeld). Aufgrund der schnellen Insolvenz-Bewältigungsmechanismen liegt Slowenien nunmehr vor vielen südlichen Volkswirtschaften. Auch die baltischen Länder scheinen aufzuholen. Portugal führt die Gruppe der Länder der südlichen EU an, da es bei der politischen Stabilität Spitzenwerte erzielt.

In Bezug auf die Infrastruktur-Säule schlägt Spanien scheinbar die meisten westlich-zentralen Mitgliedstaaten (Abbildung 4). Dies ist vor allem auf die Fähigkeit des Landes zurückzuführen, „ökologische Nachhaltigkeit“ zu fördern. Innerhalb dieser Variabel spielen die Fähigkeit, die „allgemeine Infrastruktur“ (Logistikleistung undBruttoinvestitionen) aufrechtzuerhalten und ICT-Technologien zu entwickeln, eine Schlüsselrolle. Norwegen zeichnet sich als absoluter Spitzenreiter aus.

GII 2019 Input-Faktoren: Humanressourcen und Forschung

In den Bereichen Humankapital und Forschung ist die relative Rangfolge innerhalb bestimmter geografischer Gebiete unterschiedlich: Unter den mittelwestlichen EU-Staaten nehmen Deutschland und Österreich die Führungsrolle ein, und zwar dank einer starken Hochschulpolitik, ihrer besonders hohen Anzahl von „Absolventen in Natur- und Ingenieurwissenschaften“, sowie der überdurchschnittlichen Zahl von „globalen Forschungs- und Entwicklungs-Unternehmen“. Dies gilt umso mehr für ein Land wie Finnland, das auch eine hohe „Schullebensdauer“ aufweist.

Das Konzept des „Markt-Niveaus“ bezieht sich auf die Entwicklung des Finanzsektors und die Fähigkeit eines Staates, Investitionen und Wettbewerb zu fördern. Die Ausgereiftheit der Geschäfte hängt mit der Fähigkeit eines Landes zusammen, Wissen aus dem Ausland aufzunehmen, Verbindungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft herzustellen und die wissensbasierte Wirtschaft anzukurbeln (Anteil der wissensintensiven Beschäftigung). Großbritannien führt die Rangliste in Bezug auf das Marktniveau an. Unter den südlichen Staaten ragen Zypern, Malta und Spanien heraus.

Schlussendlich konzentrieren sich die Diagramme 8 und 9 auf den Sub-Output-Index. Wissens- und Technologie-Ergebnisse implizieren Wissens-Schaffung (Anzahl der Patente, wissenschaftliche und technische Artikel, zitierbare Dokumenteh-Index), sowie die Wirkung (Ausgaben für Computersoftware, Hersteller von High- und Medium-Tech) und – Verbreitung (Export von ICT-Dienstleistungen, Einnahmen aus geistigem Eigentum). Kreative Ergebnisse beziehen sich auf immaterielle Vermögenswerte (Marken, gewerbliche Muster), kreative Güter und Dienstleistungen (Export von Kultur- und Kreativdienstleistungen oder Exporte von kreativen Gütern), sowie Online-Kreativität (Entwicklung von mobilen Apps).

 

GII 2019 Output-Faktoren: Kreative Leistungen

Die Verteilung der Länder in Abbildung 8 ändert sich im Vergleich zu anderen Input-Säulen nicht wesentlich – mit der bemerkenswerten Ausnahme von Ungarn, einem EU-Mitgliedstaat, der einige Stärken in der Wissenswirkung und -verbreitung aufweist. Stattdessen stellt Abbildung 9 einen Umbruch der Rangfolge dar. Luxemburg (Stärke in der Online-Kreativität) und Malta (Stärke in immateriellen Vermögenswerten und kreativen Gütern und Dienstleistungen) erreichen den zweiten bzw. dritten Platz. Auch Estland scheint in der Rangliste weiter nach oben zu klettern.