Vom 23. bis 26. Mai werden die europäischen Bürger ihre Abgeordneten in der wichtigsten kollektiven demokratischen Veranstaltung des gesamten Kontinents wählen. Allerdings spiegelt das Feedback, das uns aus allen vier Ecken Europas erreicht, vielmehr das Bild eines Kontinents wider, der von einem gewissen Rückzug gezeichnet ist und nationalen Fragen Priorität verleiht, anstatt Diskussionen über die Themen zu fördern, die alle Europäer betreffen. Und zwar noch viel stärker als bei der Europawahl 2014.

Das überrascht nicht, meinen einige vielleicht: Dies ist vielmehr ein Beweis dafür, dass die EU und ihre Institutionen abstrakte und technokratische Einrichtungen sind, die sich immer weiter von den Bürgern und ihren Anliegen entfernt haben, während die eigentlichen Fragen auf nationaler oder sogar lokaler Ebene behandelt werden müssen. Die vehementesten Skeptiker meinen, dass es gerade deshalb besser wäre, sich von einer demokratiefeindlichen Union zu befreien, die vor allem die souveränen Staaten daran hindert, zu handeln und Initiativen zu ergreifen.

Das fast völlige Fehlen gesamteuropäischer Themen in diesem Wahlkampf, der noch längst nicht richtig begonnen hat, offenbart sowohl das mangelnde Interesse der nationalen Spitzenpolitiker an Themen, die über ihre sprachlichen und politischen Grenzen hinausgehen, als auch einen weit verbreiteten Mangel an Kenntnissen über Europa und seine Funktionsweisen. Dies spiegelt sich in der Medienberichterstattung über europäische Angelegenheiten wider, die bis auf wenige Ausnahmen oft unzureichend, wenn nicht sogar vollkommen karikaturhaft ist. Darüber hinaus wird die Berichterstattung über die aktuellen Ereignisse auf dem Kontinent im weiteren Sinne zunehmend eingeschränkt, was insbesondere auf die drastischen Sparmaßnahmen der Medien in ihren Korrespondenten-Netzen zurückzuführen ist. Nichtsdestoweniger haben die Europäer nie zuvor so viel Interesse für ihre Nachbarn, Bewegungen und Krisen gezeigt, die den Kontinent erschüttern. Schließlich haben sie begriffen, dass diese in irgendeiner Form auch für sie von Interesse sind.

Um dieser Forderung gerecht zu werden und diese Lücke zu schließen, haben wir bei VoxEurop beschlossen, einen Gang zuzulegen und unsere redaktionelle Ausrichtung verstärkt auf die Themen zu konzentrieren, die das Herzstück der europäischen Anliegen bilden, genauso wie wir in unserem Manifest erklären. Wir haben auch beschlossen, eine Reihe neuer Initiativen und groß angelegter Partnerschaften zu starten. So hat „27 Stimmen für Europa“ das Licht der Welt erblickt, für das wir 27 Medien (eins für jeden der EU-Mitgliedstaaten, zur Zeit ohne das Vereinigte Königreich) angeboten haben, über das Hauptthema des Wahlkampfes in ihrem Land zu berichten, und den 26 anderen Partnern ihren Artikel zur Verfügung zu stellen. Ziel ist es, den Lesern und Medienpartnern einen Überblick über die Debatten zu geben, die vor der Abstimmung in ganz Europa stattfinden.

Um Europa jenseits der Sprachen im Zeitalter der Fake News besser zu verstehen und zu analysieren, gibt es nichts Besseres, als die Zahlen sprechen zu lassen. Aus diesem Grund haben wir uns für Datenjournalismus entschieden und beteiligen uns als Koordinatoren am European Data Journalism Network. Dieses vereint 29 Medien aus 18 Ländern und zielt darauf ab, europäische Angelegenheiten mithilfe einer Philosophie und Methode zu erklären, an die wir glauben und die uns gefällt: Transparenz, Genauigkeit und Austausch.

Diese neue Entwicklungsphase von VoxEurop und der europäischen Herausforderung wollen wir nicht allein bestreiten: Neben den Partnern – Medien, Nichtregierungsorganisationen und Akteuren der Zivilgesellschaft –, die sich uns im Laufe der Zeit angeschlossen haben, und den Persönlichkeiten, die uns begleiten und unterstützen, wollen wir diese Phase mit Ihnen, lieben Freunde, durchleben. In den kommenden Monaten werden wir in ganz Europa neue Projekte und Initiativen über die sozialen Netzwerke, unseren neuen Newsletter und vor Ort mit Ihnen teilen. Wir möchten Sie gern dazu motivieren, an diesem neuen europäischen Abenteuer teilzunehmen und Ihren Teil dazu beizutragen. In der Zwischenzeit vergessen Sie nicht, zu wählen: Am Anfang der europäischen Demokratie steht die Wahlurne!