Auf der einen Seite stehen Kolosse wie die staatlichen brasilianischen Energieversorger Eletrobras und Cemig, die chinesische Three Gorges und State Grid Corporation oder die angolanische Sonangol, alle aus Schwellenländern mit schnell wachsenden Volkswirtschaften, auf der anderen bescheidenere international tätige und unterkapitalisierte Unternehmen aus einem hochverschuldeten Land, dem ein finanzieller Unterstützungsvertrag ein umfassendes Privatisierungsprogramm auferlegt.

Die Interessenten für die laufenden Privatisierungen und den geplanten Verkauf von Aktien oder Anteilen in staatlicher Hand kommen derzeit hauptsächlich aus Brasilien, China und Angola sowie aus Deutschland und Großbritannien.

Die Verhandlungen über Energias de Portugal (EDP) und Rede Eléctrica Nacional (REN) haben bereits begonnen. 2012 sollen auch der Mineralölkonzern Galp, die Fluggesellschaft TAP, der Flughafenbetreiber ANA, das Frachtunternehmen CP Carga und die portugiesische Post CTT privatisiert werden. Niemanden wundert es, dass die international agierenden Unternehmen, die einen Großteil ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaften, die begehrtesten sind.

Länder mit Geld

Die Frage lautet nun: Warum gerade diese Länder und keine anderen? Die Antwort ist einfach: Weil sie das nötige Kleingeld haben. Alles ist eine Preisfrage. Für Giganten wie Brasilien oder China sind es sogar Schnäppchen. Angola, Deutschland und Großbritannien haben andere Beweggründe, die nicht nur finanzieller Natur sind.

“Angolanische Anlagen in Portugal sind stark politisch gefärbt. Das Land will sich in der portugiesischsprachigen Welt, aus der es in Zukunft wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen hofft, behaupten”, meint António Ennes Ferreira. Dem Professor am Institut für Betriebswirtschaft (ISEG) der Universität Lissabon zufolge sollen diese Investments wegen der sehr oberflächlichen Überprüfungen in Portugal auch zur Legitimierung von angolanischem Kapital und der Erschließung weiterer Märkte dienen. Das Risiko besteht, dass mangels Transparenz niemand mehr weiß, woher das Geld eigentlich kommt. Angola begnügt sich, Geld anzulegen, es besitzt kein technologisches Know-how.

Bei Deutschland (das für den Versorger EDP bietet), für das der Ministerpräsident den roten Teppich ausrollt, verhält es sich wieder anders. Deutschland ist bestrebt, sich mit Portugal in Afrika zu assoziieren, wo der ehemalige Kolonialherr einen bedeutenden Marktanteil hält, während Portugal trachtet, die Deutschen in dieser schwierigen Phase der europäischen Krise an seiner Seite zu haben. “Das wäre sehr kurzsichtig”, kommentiert General Loureiro dos Santos. “Portugal ist derzeit Europas Geisel. Je mehr Verbindungen wir außerhalb des Kontinents knüpfen, umso schneller können wir unsere Freiheit wieder erlangen.”

Giganten auf Eroberung

Brasilien und China sind Riesen, die beide die Ambition haben, eine Weltmacht zu werden. Trotzdem haben sie unterschiedliche Beweggründe.

Für Brasilien, das seit Jahrzehnten in Portugal investiert, zeichnen die Übernahmen sich durch ihr Ausmaß und die politische wie auch unternehmerische Teilnahme des brasilianischen Staates aus. Staatliche Unternehmen kaufen staatliche Unternehmen, ein Novum, das beispielsweise in den Angeboten von Eletrobras und Cemig für EDP zum Ausdruck kommt.

“Es gibt eine klare politische Unterstützung”, bestätigt der brasilianische Botschafter, Mário Vilalva, und erinnert an die Worte der Präsidentin Dilma Rousseff an den Ministerpräsidenten Passos Coelho: “Es liegt in unserem Interesse, dass Portugal diese Krise meistert und zwar so rasch wie möglich.”

Die brasilianische Entwicklungsbank BNDES unterstützt die Globalisierung der brasilianischen Unternehmen, denen Portugal als Sprungbrett für den europäischen Markt dient. Begehrt sind interessante Unternehmen mit globalen Märkten wie der Zementhersteller Cimpor (an dem die Brasilianer seit 2010 beteiligt sind), EDP und auch Radio e Televisão de Portugal (RTP), deren starke Präsenz in den afrikanischen Staaten mit Amtssprache Portugiesisch (PALOP) ein bedeutender Vorteil ist.

China setzt auf die Gelegenheit, einen weiteren europäischen (und gebeutelten) Markt zu erschließen, der einzigartige Verbindungen zum portugiesischsprachigen Afrika besitzt, Zugang zu Technologien zu erhalten und einige protektionistische Schranken zu umgehen oder niederzureißen. “Wir dürfen nicht vergessen, dass die Chinesen die Globalisierung ihrer Unternehmen über einen Lernprozess und die Abwerbung von Führungskräften beschleunigen wollen”, unterstreicht der Forscher Miguel Santos Neves.

Wer die Karten mischt

Das Interesse an EDP ist exemplarisch. Als Marktführer im Bereich erneuerbarer Energien (China hat umfassende Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz getroffen) mit starker Präsenz auf den amerikanischen und brasilianischen Märkten übt EDP eine schier unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Mit dem Versorger fangen die Chinesen zwei Fliegen auf einen Schlag: Sie vergrößern ihr technisches Know-how und verbreitern ihren Marktanteil in Ländern, in denen ihre Präsenz bereits zu protektionistischen Reaktionen geführt hat.

Partnerschaften mit den Portugiesen in Afrika können sich als sehr nützlich erweisen. In Macau ist seit Jahren das Forum für die Wirtschaftliche Zusammenarbeit und den Handel zwischen China und den portugiesischsprachigen Ländern beheimatet. Portugal gilt als Vermittler zwischen den beiden Welten, denn die Chinesen werden in Afrika und vor allem in Angola mit bedeutenden kulturellen Problemen konfrontiert, zu deren Lösung die Portugiesen beitragen. Der Forscher warnt jedoch davor, dass Portugal immer eine untergeordnete Stellung zukommen wird.

Portugal, das derzeit vor allem seine Kassen füllen will, ist es nicht gleich, wer das Rennen gewinnt. Der Ausgang der Privatisierungen ist noch offen, die Würfel sind noch nicht gefallen. Doch ist bereits jetzt klar, dass Brasilianer, Chinesen und Angolaner in der letzten Runde die Karten mischen werden.