Montagnachmittag auf dem römischen Flughafen Leonardo da Vinci. In der Abflughalle wird die Schlange vor der Sicherheitskontrolle immer länger. Zwei Deutsche verlieren die Geduld und beginnen laut zu schimpfen: “So ein Chaos gibt es nur in Italien!” Da dreht sich ein Italiener zu dem Krakeeler um, sein Gesicht zeigt Verärgerung. “Germans never change”, sagt er, jedes einzelne Wort betonend: Deutsche ändern sich nie. “Immer wisst ihr alles besser, immer schaut ihr auf uns herab.” Die Deutschen schweigen betreten, der Italiener ignoriert sie jetzt. Weil beide an andere Orte reisen, kann wenig später keiner von ihnen den Kapitän des Lufthansa-Flugs nach Düsseldorf hören. “In einer halben Stunde sollten wir abheben”, sagt der Pilot zur Begrüßung über Lautsprecher. “Aber bei den Italienern weiß man ja nie.”

Die Episode ereignete sich, als die Regierung Berlusconi in den letzten Zügen lag. Damals lachte halb Europa über Italien, und Deutschland lachte vielleicht noch ein wenig lauter. Die drittgrößte Volkswirtschaft Europas wurde vor allem als Bunga-Bunga-Kulisse wahrgenommen, zwar ernsthaft verschuldet, aber deshalb noch lange nicht ernst zu nehmen. Ein Land wie ein Altherrenwitz. Einmal amüsierte sich Angela Merkel gemeinsam mit Nicolas Sarkozy sogar öffentlich über den EU-Partner. Bei einer Pressekonferenz am Rande eines EU-Gipfels Ende Oktober in Brüssel wurden beide gefragt, wie sie Berlusconis Reformvorschläge fänden. Spontan boten der Franzose und die Deutsche den Medienleuten eine sarkastische Pantomime. Sie schauten sich vielsagend in die Augen, verzogen gequält das Gesicht, lächelten ironisch.

Was in Brüssel als sympathische Einlage herüberkam, wurde in Italien als nationale Kränkung verstanden, als “Ärgernis und ungerechtfertigte Demütigung”, wie der frühere Ministerpräsident Romano Prodi sagte.

Die Kanzlerin hatte Berlusconi nie offen kritisiert, sondern ihn und Italien weitgehend ignoriert. Die bilateralen Beziehungen waren auf dem Gefrierpunkt, ebenso wie das persönliche Verhältnis zwischen der ostdeutschen Pastorentochter und dem lombardischen Zotenreißer. Lesen Sie den ganzen Artikel auf der Website der Zeit...