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COP15: Kopenhagen, oder der Hyperkan

Hochwasser in Madhepura (Indien, 2008). (AFP)
Hochwasser in Madhepura (Indien, 2008). (AFP)
7. Dezember 2009 – The Independent (London)

Entweder wir reduzieren drastisch die Emissionen, oder wir werden unseren Planeten nicht mehr wiedererkennen. Zu Beginn des Kopenhagener Gipfeltreffens zum Klimawandel erklärt Johann Hari im Independent, dass die Welt schlicht zwischen diesen beiden Möglichkeiten zu wählen hat.

Mohammed Nasheed weiß, was der Treibhauseffekt bedeutet, denn er sieht ihn jeden Tag. Er überlebte Jahre von Gefängnis und Folter, um sein Land, die Malediven, in die Demokratie zu führen. Aber jetzt muss er als Präsident dabei zusehen, wie sein Vaterland von der Karte gewischt wird. Jahr für Jahr steigt das Meer und fordert mehr Land. Wenn es mit der gleichen Geschwindigkeit weiter steigt, wird es alles verschlucken.

Die Ursache hierfür sind die Unmengen an Treibhausgasen, die wir in die Atmosphäre gepumpt haben und damit immer noch nicht aufhören. Wenn wir nicht umkehren – und zwar schnellstens – werden die Malediven verschwinden. Verschiedene wissenschaftliche Studien belegen, dass die Erdtemperatur in diesem Jahrhundert bis um 6°C steigen wird. Das hört sich erst einmal nicht nach viel an. Aber das letzte Mal, als die Erdtemperatur so schnell um sechs Grad anstieg, war am Ende des Perm-Zeitalters vor 251 Millionen Jahren. Das Ergebnis? Fast alles auf der Erde starb.

Die einzigen Überlebenden waren ein paar Schalentiere und ein schweinsähnliches Geschöpf, dem das Land Millionen von Jahren allein gehörte. Die Erde wurde von "Hyperkanen" geschüttelt – Orkanen, die so stark waren, dass sie sogar Spuren auf dem Meeresgrund hinterlassen haben. Der Sauerstoff in der Atmosphäre sank auf 15 Prozent herab; das ist niedrig genug, um jedwedes sich schnell bewegende Tier um Luft ringen zu lassen. Diese sechs Grad stehen zwischen uns und einem Planeten, auf dem wir nicht leben können.

Wir töten fürs Überleben

Es ist ein ganz natürlicher Drang, Dinge nicht wahr haben zu wollen, aber in den letzten paar Jahren, habe ich von drei Orten berichtet, an denen die Erderwärmung katastrophale Auswirkungen hat – die Arktis, Bangladesh und die Grenzen Darfurs. Ich habe mit Inuit gesprochen, die ungläubig dabei zusehen müssen, wie ihre traditionellen Jagdgebiete verschwinden und die Eisdecken ins Meer brechen. Ich stand an der überschwemmten Küste von Bangladesh und Dorfbewohner zeigten auf einen Punkt in der Mitte des Meeres und sagten: "Dort hat mein Haus gestanden."

Am deutlichsten wurde mir aber, was eine wärmere Welt bedeutet, im Darfur. Bauern und nomadische Tierhüter nutzten die Wasservorräte der Gegend gemeinsam. Doch dann fing das Wasser in den Neunzigern an, zu verschwinden. Ein Flüchtling drückte sich so aus: "Die Wasserstellen trockneten aus und deshalb fingen wir an, uns gegenseitig zu töten, für das, was noch da war." Wenn die Dinge, die wir fürs Überleben brauchen, verschwinden, warten wir nicht darauf zu sterben. Wir töten dafür.

Kopenhagen steuert auf ein Verbrechen zu

Wenn man ohne Umschweife über das berichtet, was wissenschaftlicher Konsens ist, wird einem "Panikmache" vorgeworfen. Doch es gibt einen Unterschied, ob man ein Panikmacher ist, oder ob einen die Fakten in Panik versetzen. Mit dem Wissen, das wir haben, wäre es nicht einfach nur dumm, weiterhin Treibhausgase auszustoßen. Es wäre ein Verbrechen. Nichtsdestoweniger glauben nicht einmal die Politiker, die das Problem erkennen, dass es in Kopenhagen zu Fortschritten kommen wird, denn man muss die "politische Realität" im Auge behalten. Allerdings wird bei einem Konflikt zwischen politischer und physikalischer Realität die physikalische Realität siegen. Man kann nicht am Rande eines aufgeladenen Orkan stehen und rufen: "Die Gesprächgruppen sagen, dass du noch nicht auf der Tagesordnung stehst."

Andere beschweren sich darüber, dass wir, die die Katastrophe verhindern wollen, nicht schwarz sehen und Leute verängstigen sollten; wir sollten "das Positive hervorheben". Und in der Tat kann man bei der Angelegenheit positive Chancen ergreifen: Es ist eine Gelegenheit, dass wir alle zusammen kommen, gemeinsame Sache machen und zu einer großen Generation werden, an die man sich als heldenhaft erinnert. Es wäre aber bevormundend und seltsam, damit anzufangen. Als Winston Churchill und George Orwell 1936 die Welt vor dem wachsenden Nazismus warnten, packten sie die Angelegenheit auch nicht in Zucker oder in Weichspüler-Predigten. Sie behandelten die Menschen wie Erwachsene. Eine furchtbare Bedrohung stieg am Horizont auf und musste aufgehalten werden. Genauso denken wir heute. Wir können Geschichte schreiben – oder Selbstmord begehen.

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