Januar 2009, Neujahr. Eine arktische Kältewelle breitet sich über Europa aus. Um 7 Uhr morgens, während die Europäer noch ihren Kater ausschlafen, kündigt Gazprom an, dass die Erdgaslieferungen eingestellt wurden. Die Spannungen zwischen Moskau und Kiew haben Russland dazu gebracht, die Pipeline, die die Ukraine durchquert und West- und Osteuropa beliefert, zu schließen. 20 Tage war der Gashahn abgedreht, was Länder wie die Slowakei oder Bulgarien zwang, einem Teil ihrer Bevölkerung die Gaszufuhr zu kappen, und das mitten in einem besonders harten Winter. Den neuesten Zahlen der Europäischen Kommission zufolge, werden in der EU 50 Prozent der fossilen Brennstoffe importiert. Man schätzt, dass dieser Anteil bis 2030 auf 70 Prozent ansteigen wird. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Energiesicherheit und Klimawandel zwei unterschiedliche Probleme sind, doch ist der Zusammenhang enger als man denkt.

Der Energiesektor ist für 64 Prozent der globalen Emissionen von Treibhausgasen und für 85 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. "Energie ist der Kern des Problems, sie muss auch der Kern der Lösung sein", meint der Direktor der Internationalen Energiebehörde (IEA) Nobuo Tanaka. In diesem Zusammenhang spielen die erneuerbaren Energien eine wesentliche Rolle. Sie erlauben Treibhausgasemissionen zu reduzieren und die Abhängigkeit vom Energieimport zu begrenzen. Saubere Energien generieren nicht nur keine Emissionen, sondern sie hängen auch von keinem Rohstoffimport ab. Sie beruhen auf Ressourcen wie Sonne, Wind oder heimischen organischen Substanzen (Biomasse). Kurz vor dem Gipfel von Kopenhagen, hat sich die EU verpflichtet, den Treibhausgasausstoß um 20 Prozent zu reduzieren — ein Wert, der auf 30 Prozent ansteigen könnte, sollten weitere Länder ähnliche Zusagen machen — sowie den Anteil von erneuerbaren Energien auf 20 Prozent des Gesamtverbrauchs ansteigen zu lassen. Diese Zahl umfasst auch den Energieverbrauch des Verkehrs, was bedeutet, dass der Anteil des aus erneuerbaren Ressourcen generierten Stroms bei 40 Prozent liegen wird, mit Spitzenwerten in manchen Sektoren von 80 oder 90 Prozent.

Verkehrsbedingte CO2-Emissionen bremsen

Die Forscher meinen, dass, um eine Klimakatastrophe abzuwenden, die Erdtemperatur nicht um mehr als 2°C im Vergleich zu den Werten des vorindustriellen Zeitalters ansteigen dürfe, was heißt, dass die CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre nicht 450ppm ('parts per million'/Teile pro Million) übersteigen. Derzeit liegt der Wert bei 378ppm. Die IEA empfiehlt den Verhandlungspartnern des Klimagipfels von Kopenhagen, ein besonderes Augenmerk auf die CO2-Speicherung bei Kohle- Erdgas- und Atomkraftwerken zu legen. Die Behörde schätzt, dass 6600 Milliarden Dollar in den Wandel unseres Energiemodells investiert werden müssten: 72 Prozent davon gingen in die erneuerbaren Energien, 19 Prozent in die Atomkraft und neun Prozent in die CO2-Abscheidung und -Speicherung. Die starke Zunahme an Wärmekraftwerken und die Wachstumsprognosen in übervölkerten Staaten wie China oder Indien machen den Zugriff auf diese nicht nachhaltigen Technologien unumgänglich, schenkt man der IEA Glauben.

Forschungs- und Technologietransfer von den Industriestaaten zu den Entwicklungsländern ist ebenfalls eine zwingende Notwendigkeit, will man die CO2-Emissionen verringern. Eine zentrale Frage bei den Klimaverhandlungen. Logischerweise wollen China oder Indien nicht ihr Wirtschaftswachstum bremsen. Sie fordern technologische Unterstützung, sollten sie sich mit einer gewissen Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen einverstanden erklären.

Und wie kann man die Emissionen im Verkehr eindämmen? Das Elektroauto könnte sich als wertvoller Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel erweisen. "2030 sollten nicht weniger als 60 Prozent aller Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden", meint Fatih Birol, Chefökonom der IEA. Das würde zudem für die politischen Verantwortlichen in Energiefragen ein ideales Tandem schaffen: Elektroauto und erneuerbare Energien. Manche saubere Ressourcen wie Windkraft haben nachts, wenn der Energieverbrauch geringer ist, stärkere Förderkapazitäten. "Das Elektroauto, das in der Regel bis morgens aufgeladen wird, wird das Einspeisen von Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz fördern und dessen Anteil insgesamt vergrößern", versichert Luis Atienza, Präsident des spanischen Stromnetzes Red Eléctrica de España.