Wenn ein Franzose oder besser noch ein Pariser eine heikle emotionale Phase durchmacht, verstehen das seine Mitmenschen sofort. Oft entwischt ihm dann ein Ça me saoule ("das kotzt mich an") und sein Umfeld hat verstanden, dass man am heutigen Tag lieber einen großen Bogen um den Nörgler (râleur) machen sollte. Er hat sozusagen seine "Dosis" weg, denn saoulé heißt im Französischen auch "betrunken sein".

Aber nein, nein, das ist noch längst nicht alles. Er entwickelt eine wahrhaftige Sprachleidenschaft, wenn es ums Meckern geht. Dann kann ihm jemand schon mal kräftig auf das System hauen (taper sur le système) oder ihm auf die Bohne gehen (courir sur le haricot). Ansonsten tut es auch ein einfaches Ca me gonfle ("das bläst mich auf")!

Die europäischen Freunde sind jedoch auch nicht unbedingt zen – sie verlieren schon ab und an die Geduld oder ihr kaltes Blut (perdre son sang froid). Doch irgendwie kriegen die Nachbarn es hin, mit mehr Charme zu schimpfen als wir. Nehmt die Deutschen zum Beispiel. Sollten sie vom Blablabla ihres Gegenübers genervt sein, haben sie einfach nur das Gefühl zugetextet oder vollgelabert zu werden. Allerdings kann es auch schmerzhafter zugehen, wenn beim deutschen Nachbarn Ohren abgekaut und Gespräche ans Knie genagelt werden.

Und man lasse bloß die Hände von schimpfenden Polen. Denn wenn der Pole mal richtig wütend ist, hat er eine Schusterwut (doprowadzać do szewskiej pasji) – Wurfobjekte inklusive! Doch Wutausbrüche können auch krankhaft sein, der gestresste Pole bekommt schnell mal ein weißes Fieber (doprowadzać do białej gorączki) oder schlimmer sogar noch einen Anfall (szlag mnie trafia – kann Deutschen übrigens auch passieren.) Vorsicht sei auch in Spanien geboten – da läuft es nämlich genau anders herum. Wenn ein Spanier schwarz wird (estar negro), dann ist es so, als kriege der Pole Weißfieber – also schnell das Weite suchen!

von Jane Mery

Übersetzung: Katharina Kloss