Abschreiben, haben wir in der Schule gelernt, ist immer eine hilfreiche Erfolgsmethode. Wenn man die Regeln beherrscht. Die wichtigste ist: sich nicht erwischen zu lassen. Die zweitwichtigste: Falls man doch erwischt wird, sofort zugeben, bloß nicht abstreiten. Das bringt nichts.

Helene Hegemann ist so gesehen eine Musterschülerin. Sie hat abgeschrieben, wurde erwischt – und entschuldigt sich prompt.

Folgendes hat sich zugetragen. Die 17-jährige Helene Hegemann hat bei Ullstein kürzlich ihren ersten Roman veröffentlicht, Axolotl Roadkill. Es ist ein wildes, ungestümes Coming-of-Age-Buch. Seitdem es in der Welt ist, juchzt und jubelt das Feuilleton. Was für eine grandios stilsichere Sprache! Welch böse Radikalität! Und ach, all die treffenden Beobachtungen und überraschenden Gedanken. So ein Debüt hat es lange nicht gegeben, begeistert sich der begeisterungssüchtige Literaturbetrieb. Und all jene, die es nicht so mit Büchern, aber mit Sensationen haben, waren auch ganz aufgeregt: Donnerwetter, mit 16 Jahren hat sie dies Werk verfasst? Ist's möglich? Das Staunen war allseits groß. Man nahm diesen Roman als authentischen Erfahrungsbericht, glaubte, all die schlimmen Drogen-, Sex- und Pubertätssachen habe Helene H. selbst erlebt. Denn das lässt "Axolotl Roadkill" noch eindrücklicher erscheinen. Zum Originalartikelvon Dirk Pilz in der Berliner Zeitung...