Für den Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change oder IPCC) sieht es nicht gut aus. In den vergangenen Wochen erreichte uns ein negativer Bericht nach dem anderen. Die Klimakonferenz der UNO in Kopenhagen (COP15) wurde vom "Climatgate"-Skandal getrübt. Veröffentlicht wurden die von Klimaexperten ausgetauschten E-Mails. Die im Bericht angeführten Quellen sind keineswegs wissenschaftlich und teilweise Artikel des WWF. Verwechselt werden überschwemmbare Gebiete und solche, die über dem Meeresspiegel liegen (wie in den Niederlanden). Die Schlussfolgerungen in Sachen Gletscherschmelze im Himalaya stützen sich auf chinesische Überwachungsstationen, die nicht einmal existieren.

Für die Klimaskeptiker, für welche die Erderwärmung nicht als Folge menschlichen Handelns zu betrachten ist, bilden diese Elemente den "Beweis" für die Existenz des "Kohlendioxid-Komplottes". Weder das Polareis noch die Gletscher schmelzen und Kopenhagen war eine einzige Farce. Es ist jedoch unbestreitbar, dass die Gletscher noch immer schmelzen. Die Prognosen für den Himalaya, dessen Gletscher bis 2035 verschwunden sein sollen, sind tatsächlich unbegründet. Jedoch heißt das noch lange nicht, dass es keine Klimaprobleme gibt.

Die "Kryptowissenschaft" der Klimaskeptiker

Nicht ausreichend bekannt ist, dass Klimadaten manipuliert werden. Nicht von der IPCC, sondern von den Klimaskeptikern, den Anhängern der sogenannten "Kryptowissenschaft" [die unerklärbare oder irrationale Phänomene unter Verwendung wissenschaftlicher Methoden studiert]. Das postmoderne Zeitalter, Internet und die einflussreichen amerikanischen, russischen und saudi-arabischen Lobbys verhelfen ihr zu einer prächtigen Blütezeit. Die verwendeten Methoden hatte man schon vorher angewendet, besonders für die Tabakindustrie, den Atomsektor und seit kurzem für die amerikanischen Versicherungen im Kampf gegen die von Barack Obama geplante Gesundheitsreform.

In der postmodernen Gesellschaft kann sich ein jeder Gehör verschaffen. So überflutet das Geschwätz von Laien das Internet, wo nun jeder die Argumente finden kann, die er gerade braucht, um die eine oder andere Meinung zu untermauern.

Die Strategie der "Kryptos": Ungewissheit schüren, Statistiken verzerren und Störfälle medienwirksam verbreiten. In der Internationalen Klimawissenschaftskoalition (International Climate Science Coalition oder ICSC) hat sich ihre Lobby organisiert. Wie der kanadische Autor James Hoggan in seinem Buch Climate Cover Up aufdeckt, wird sie von der australischen und amerikanischen Kohleindustrie gesponsert. Unter dem Deckmantel SPPI (Science and Public Policy Institute in Washington) veröffentlichte diese Lobby die Publikation zu den Überwachungsstationen und es ist noch immer keine von einem Wissenschaftler angefertigte Bewertung dieses Artikels verfügbar.

Der IPCC, ein Organ der Linken

Die Medien, die verzweifelt nach Sensationen suchen und oft nur über geringfügige wissenschaftliche Sachkunde verfügen, sind auf solche Nachrichten geradezu versessen. Ein kleiner Satzfehler hier, ein falsches Zitat oder eine nichtssagende Fußnote da – all das reicht für die nächste Schlagzeile aus, die verkündet, dass die Klimaerwärmung gar nicht existiert. Schließlich ist jeder selbst dafür verantwortlich, welche Meinung er sich bildet. Trotzdem arbeiten die "Kryptos" nur selten in renommierten Institutionen. Und sie verfassen auch keine wissenschaftlichen Artikel, die von Kollegen diskutiert werden. Die klimaskeptische Lobby erklärt, dass das normal ist. Diese Institute und diese Zeitschriften werden von der "Kohlendioxid-Mafia" beherrscht. Und diese lässt in ihren Reihen natürlich keine laienhafte Kritik zu.

Für sie ist der IPCC ein politisches Organ in den Händen der Linken. Er verzerre die Fakten und leugne die tatsächlichen Daten. Das Klima kühle sich vielmehr ab. Der Einfluss der Sonne und des Wasserdampfes sei in Wirklichkeit viel bedeutender als der des Kohlendioxids und des Methans. Die Temperatur des Planeten habe vor x Millionen Jahren etwa 20 Grad mehr betragen als heute. Das alles kann natürlich widerlegt werden. In Kopenhagen wurden diese Argumente nicht einmal diskutiert und auch beim weltweiten Gipfel zu den zukunftsfähigen Energien in Abu Dhabi im vergangenen Januar wurden sie als 'nicht-stichhaltig' beiseitegelassen.

Errungenschaften der Wissenschaften könnten auf dem Müll landen

Und dennoch gibt es Grund zur Sorge: Die großen Errungenschaften der Wissenschaft drohen in Vergessenheit zu geraten, ohne dass dies großes Aufsehen erregt. Im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte hat sich die Wissenschaft von den theokratischen Zwängen befreit und das entwickelt, was wir "die Methode" nennen. Dabei handelt es sich um ein umfangreiches System von Konventionen, die Beobachtung, Experiment, Vergleich, Maße, Verfälschung, Überprüfung und Wissensverbreitung reglementieren. Damit gewährleisten sie, dass sie sich selbst verändern und entwickeln und konkrete technische, sowie soziale Verwendung finden kann. Die Kryptowissenschaft lässt das völlig kalt. Und so wird die moderne Wissenschaft zum Opfer des Populismus. Es ist die Aufgabe der Politiker, sie zu verteidigen und der Versuchung, den Instinkten der Massen zu folgen, sobald Probleme auftreten, nicht nachzugeben.