"Wenn Joachim Seifert sein Leben erzählt, beginnt er 1864. 'Anno 1864'*, wie er sagt, und erzählt in knappen Sätzen.* 'Helm wärmt besser als Mütze' ist so ein Satz, und so trägt er zum Anorak einen weißen Bergmannshelm. Dreißig Jahre lang schützte ihn solch ein Modell, unter Tage, und nun, Seiferts 75. Geburtstag steht an, ist das Ruhrgebiet Kulturhauptstadtund die Vergangenheit des ehemaligen Kumpels ein Programmpunkt." An der Hand von Joachim Seifert für Katja Thimm durch das Ruhrgebiet des Festjahres, "längst mehr als nur Industriekultur", warnen die Verantwortlichen, die mit fotofreundlichen Aktionen ein Bild des Aufbruchs in die Welt senden wollen. Jedoch: Es ist Wirtschaftskrise, "fast alle Kommunen haben einen Nothaushalt". Eine Frage stellt sich längst. "Wie soll sich eine Gegend entwickeln, wenn schon der Standard nicht bezahlbar ist? Und wie kann sich ein Strukturwandel vollziehen in dieser erdenschweren Region, in deren Montangeschichte Hunderttausende Menschen verwurzelt sind?" In der Region mit den Industrie- und Einwanderungsstädten, wo "bei einer Zeche angestellt zu sein [einen Lebensentwurf] bedeutete" und wo sich kein breites Bürgertum entwickelte. Nach der Schließung der Zeche Zollverein "sollte wenigstens auf diesem monumentalen Symbol der Arbeit mit einem neuen Masterplan weiterhin Geld verdient werden." Auch Joachim Seiferts Sohn, "studierter Bergmann" hat hier eine Stelle gefunden. "Familie Seifert hat den Strukturwandel vollzogen." Aber die Zeche Zollverein kostete 155 Millionen Euro. Kein Modell für die Region.