Am 16. Mai 2010 hielt Angela Merkel eine Rede vor dem Bundeskongress des DGB in Berlin. Das ist keine Sensation, die Kanzlerin redet viel. Klebte man die Ausdrucke ihrer Reden aneinander, würde das sehr weit führen. Von der Einzelrede kann man das jeweils aber nicht behaupten. Als sei das in die Öffentlichkeit entlassene Wort irgendwie ausgewildert und zu allem fähig, äußert sie nur betäubte und betäubende Sätze. Im Prinzip war es beim DGB seinerzeit nicht anders, aber der Schluss ihrer Rede dort ist ein gutes Beispiel für die Ursache der kommunikativen Misere, in die sie sich selbst und das ganze Land bugsiert hat. Sie kommt also vor den Gewerkschaften auf tausendundeinen Punkt zu sprechen, wie immer sehr respektvoll und pädagogisch ambitioniert, endet bei der kontroversen Frage der Rente mit 67 und bringt dann einen typischen Satz: „Ich bin doch hier, um mit Ihnen über die ehrlichen Gegebenheiten zu reden.“

Das sehen die Delegierten allerdings und in den vorangehenden vierzig Minuten hörten sie es auch, doch sie meinte es anders und brauchte mehrere Sätze um klar zu machen,was: „Es war schöner, als Norbert Blüm hier noch stand und gesagt hat Die Rente ist sicher. Aber es war dann hinterher nicht schön, als man gemerkt hat, dass es nicht so einfach ist.“ Sie will sagen: Mit mir gibt es keine Schönfärberei, mir geht es um die Sache.