Börsen: Im Bann des Schwarzen Lochs

Auf dem Teppich bleiben. In der Athener Börse, April 2010
Auf dem Teppich bleiben. In der Athener Börse, April 2010
29. April 2010 – El País (Madrid)

Nach Griechenland und Portugal wurde Spaniens Rating-Note von der Agentur Standard & Poor’s am 28. April herabgesetzt. El País fürchtet, dass die negative Dynamik immer unkontrollierbarer wird.

Griechenland wird weiterhin ins schwarze Loch gesogen. Und es reißt dabei andere Länder mit sich. "Die Ansteckung hat begonnen", bestätigte der Generalsekretär der OECDÁngel Gurria gestern am 28. April. Das Herabsetzen von Spaniens Rating-Note [durch die Agentur Standard & Poor's] vermehrt dabei nur die Ungewissheit. Die Erhöhung der Staatsschulden eines Landes wie Spanien hat insbesondere einen permanenten Anstieg der Kosten am Kapitalmarkt zur Folge. Dadurch entsteht eine Erhöhung der Schuldzinsen, egal, ob sie privat oder öffentlich sind. "In einem derart hoch verschuldeten Land wie Spanien ist das eine sehr schlechte Nachricht", resümiert Carmen Reinhart, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Universität von Maryland und Autorin eines der großen Bücher dieser Krise ["Diese Zeiten sind anders", This Time is Different, geschrieben mit Kenneth Rogoff]. Doch diesmal ist die Lage anders.

Spanien bleibt wenig Zeit für radikale Maßnahmen

Paradoxerweise hat das Problem Spaniens nicht so viel mit den Staatsschulden zu tun wie mit der Privatverschuldung. Sicherlich ist die Haushaltslage besorgniserregend, denn das Defizit ist hoch und die Krise kann andauern, aber die Unsicherheit der Märkte wird durch die enorme Privat-, Banken- Firmen-, und Familienverschuldung noch verstärkt, die während der fetten Jahre angesammelt wurde. Diese Verschuldung wird durch die Abwertung des Ratings noch teurer zu finanzieren sein.

"Ich fürchte, dass Portugal schon jetzt größte Schwierigkeiten hat, aus dieser noch durch Spekulationen genährten Spirale herauszukommen", erklärt Charles Wyplosz vom Universitätsinstitut für internationale Studien der Genfer Universität [Graduate institute of international and development studies]. "Spanien bleiben noch einige Wochen, um zu handeln. Der Sparplan reicht schon nicht mehr aus. [...] Man braucht schnelle Übereinkommen, tiefgreifende Notmaßnahmen, vielleicht sollte man Deutschlands Beispiel folgen und Haushaltsdefizite gesetzlich verbieten; man muss radikal vorgehen." Analysten geben zu bedenken, dass die beiden anderen großen Rating-Agenturen Moody’s und Fitch Standard & Poor's auf dem Fuße folgen könnten, wenn die Regierung nicht schnell entsprechende Maßnahmen ergreift.

Hochentwickelte Länder in Gefahr!

Eine weitere Folgeerscheinung ist das Auftauchen eines neuen Infektionsherdes der Haushaltskrise. Bis jetzt haben sich Griechenlands Probleme auf die anderen europäischen Staaten ausgeweitet; jetzt fallen die Probleme Spaniens und Portugals auch auf Griechenland zurück— und auf das gesamte Euro-Gebiet, vielleicht sogar darüber hinaus. "Es geht hierbei nicht um ein Problem, das nur Spanien oder die Randgebiete Europas betrifft: Dies könnte sich zu einer Krise auswachsen, die fast alle entwickelten Länder etwas angeht, die dieses Budgetloch miteinander teilen", erklärt der Wirtschaftswissenschaftler José Luis Alzola.

In jedem Fall stellen die Agenturen das gleiche wie die Investoren fest, ob sie nun Spekulanten sind oder nicht: Die Schwachpunkte Spaniens sind die Arbeitslosigkeit, die Staatsfinanzen und die Banken. "Man muss in diesen drei Bereichen schnellstmöglich zu Maßnahmen greifen, wenn Spanien nicht wie Griechenland an einen Punkt geraten will, von dem es keine Wiederkehr mehr gibt", warnt José Carlos Díez, Chefökonom von Intermoney. (sd)

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