Politik ist ein grausames Geschäft. Sieg und Niederlage liegen oft nah beieinander, Triumph und Abstieg ebenfalls. Mitunter reichen wenige Wochen, um alles zu verlieren. Jüngstes Beispiel: Angela Merkel, die deutsche Kanzlerin. Ende März noch war sie Königin Europas. Merkel beherrschte den Frühjahrsgipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel. Sie diktierte die Bedingungen, als die Grundzüge eines Rettungspakets für die klammen Griechen festgelegt wurden. Ihr ging es darum, erst einmal nichts zu tun. Die anderen Staaten mussten sich fügen.

Sechs Wochen später steht die einstige Herrscherin ziemlich nackt da. Das Taktieren führte zu nichts. Ihre Macht erodiert, im Inland wie in Europa. Als am vergangenen Wochenende die EU-Staaten einen gigantischen Notfallplan zur Rettung des Euro aus dem Boden stampften, führte Frankreich Regie – in enger Absprache mit Italien und anderen Mittelmeerländern.

Die jüngsten Ereignisse markieren eine Zäsur. Die Finanzkrise und der Rettungsschirm für die Eurozone werden die Europäische Union von Grund auf verändern. Sie wird französischer und weniger deutsch geprägt sein. Zum Originalartikel von Thorsten Knuf in der Berliner Zeitung...