Nach außen demonstrieren sie Einigkeit. Die EU-Regierungen beschlossen ein Hilfspaket für Griechenland, einen 750-Milliarden-Rettungsfonds für den Euro, neue Regeln für Hedgefonds und näherten sich sogar in der heiklen Frage der Finanztransaktionssteuer an. Doch der Schein trügt. Hinter den Kulissen wirken zentrifugale Kräfte mit zerstörerischer Wirkung. Statt im historischen Moment der Krise Einigkeit zu suchen, ist ein brutaler Machtkampf ausgebrochen, EU-Institutionen werden umgangen, Alleingänge forciert, die Partner vor den Kopf gestoßen. Zwischen den beiden Hauptakteuren Deutschland und Frankreich klafft ein neuer Abgrund.

Ein erster öffentlicher Hinweis auf dieses Zerwürfnis war diese Woche das plötzliche und unabgesprochene Vorpreschen der deutschen Regierung bei einem Verbot von ungedeckten Leerverkäufen. Donnerstag fand in Berlin eine internationale Konferenz zur Regulierung der Finanzmärkte statt – abseits der EU. "Deutschland hat sich aus der Europäischen Union verabschiedet", poltert ein hochrangiger Regierungsvertreter im EU-Rat. "Diese Maßnahmen wären viel effizienter, wenn sie auf europäischer Ebene koordiniert würden", mahnte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Doch die EU-Institutionen sind Opfer eines Interessenkonflikts geworden, der von Berlin und Paris ausgeht.

Erst nachträglich wurde bekannt, was sich hinter den Kulissen bei dem hektisch einberufenen Sondergipfel am 7. Mai abgespielt hatte... Zum Originalartikel in der Presse...