Es war ein unglaubliches politisches Meeting im Pariser Vorort, das eher einem gigantischen Jahrmarkt glich. Hier versuchten die dem Regime in Teheran feindlich gesinnten Mudschaheddin des iranischen Volkes, den Aufstand im Iran zu ihren Gunsten auszulegen. Aus ganz Europa kamen sie am Samstag Nachtmittag zu Tausenden. Sie wollten der Chefin des im Exil agierenden Nationalen Widerstandsrat Iran, Maryam Rajavi, zujubeln.

Die Exil-Iraner lehnen die beiden für sie unrechtmäßigen Mir Hossein Mussawi und Mahmud Ahmadinedschad ab. Sie tun dies im Namen eines "dritten Weges: Der demokratischen Veränderung und Errichtung der Volkssouveränität durch das iranische Volk und seinen Widerstand". Dieser "Widerstand" schließt aber auch die bewaffneten Kämpfer ein, die von der Europäischen Union bis vergangenen Januar (und gegenwärtig noch immer von den USA) als terroristische Organisation eingestuft wurden.

Die einst als "islamisch-marxistisch" charakterisierte Bewegung, die am Sturz des Schahs und seines Regimes beteiligt war, bevor sie sich gegen das Regime der Mullahs auflehnte, hätte die wesentliche Oppositionskraft im Exil sein können. Zunächst konnte sie in Frankreich handeln und anschließend dank des Schutzes von Saddam Hussein im Ira. Ihre heutige Situation ist wesentlich unsicherer. Jedes Jahr organisiert ihre Führungselite, die ihren Sitz in Auvers-sur-Oise hat, eine große Zusammenkunft der Diaspora.

Afchine Alavi versichert uns: "Hier sind mehr Menschen als sonst versammelt: 90.000 Menschen sind durch die Halle im Messegelände von Villepinte gegangen." Er ist es auch, der die Beziehungen zu den Journalisten überwacht, sicherstellt, dass jedermann mit den "richtigen" Personen in Verbindung gesetzt wird, und sich nicht unnötig lang unter das sehr gemischte und viel spärlicher gesäte Publikum mischt, als man zugibt (nach reinem Augenmaß scheinen hier zweifelsfrei zehn Mal weniger Menschen versammelt zu sein, als angekündigt).

Man berichtet uns von "1000 Bussen", die aus ganz Europa angereist wären, um die Sache zu unterstützen. Man begegnet sowohl Russen, als auch Deutschen, die nicht ein einziges Wort der Ansprache verstehen, und dennoch tapfer ihre kleinen Fahnen schwingen, um ihre Ablehnung gegenüber dem "Terrorismus" und "Mussawi" kundzutun.

Afrikanische Frauenvereine sind aus Sarcelles angefahren, um ihre "Solidarität mit den Märtyrern von Achraf" zu bezeugen, einem vor kurzem entwaffneten, 3500 iranische Kämpfer beherbergenden Ausbildungslager im Irak.

In diesen "Widerständigen" erkennen sich auch etliche marxistische Aktivisten wieder, wie beispielsweise der Rentner Bernard Fortin, der in Maryam Rajavi eine "wirkliche Demokratin" sieht, die "viel Charisma besitzt und es verdient hat, zu regieren". Oder die jungen Somalier, die über ihrer iranischen Freunde hier hineingeschlittert sind,. Sie erklären, dass sie aus London angereist sind, "weil 30 Pfund für ein Wochenende erschwinglich" waren.

Eine gut gesicherte Bühne.

Maryam Rajavi, die man zuweilen auch die "Sonne der Revolution" nennt, scheint alles das zu haben, was eine Staatschefin braucht. Und genau diese Rolle erträumt sie sich. Die Ankunft ihrer Limousinen wird von unzähligen Kameras gefilmt und auf riesigen Bildschirmen übertragen. Ihre erdrückend vielen Leibwächter verhindern, dass man sich ihr zu sehr nähert und überall verbreiten ihre Sprecher die Reden der Märtyrer. Illustriert wird das Ganze mit Photos.

Hassan Habibi stellt sich als Verantwortlicher des die Revolte im Iran unterstützenden Pariser Büros des Auswärtigen Ausschusses vor. Er lobt die vielfältigen Bündnisse des Nationalen Widerstandsrats Iran (dessen hauptsächliche Komponente die Mudschaheddin sind): "Sie treffen hier sowohl auf junge Mädchen im Minirock, als auch auf verschleierte Frauen, oder auf rechtsorientierte Leute, und wir alle sind Laizisten und Demokraten. Unser Motto: 'Nieder mit der Diktatur' hört man auch in den Straßen von Teheran. Heute sieht man ein, wie wichtig unsere Organisationsmöglichkeiten hier- oder dortzulande sind."

Die Frage, welche Rolle die Mudschaheddin tatsächlich im gegenwärtigen Aufstand spielen, ist nicht leicht zu beantworten. Auch Maryam Rajavi antwortet auf diese Frage nur ausweichend. Wir stellen sie ihr in einem privaten Interview, das uns ihre Angehörigen nach der Ansprache auf der Bühne vermittelt haben.

*"Das ist alles irgendwie ein Geheimnis, aber ich denke, dass das iranische Volk, das sich in den Straßen befindet, das gleiche Ziel wie wir verfolgt."**hließend wird es freie Wahlen geben."*