Vor der mosambikanischen Botschaft in Portugal warten rund 40 Personen auf die Öffnung der Schalter. Tierri Rodrigues ist der letzte in der Warteschlange. Der 43-jährige Portugiese will heute die letzten fehlenden Papiere abliefern, die ihm Anspruch auf ein Touristen-Visum für 60 Tage in Mosambik geben.

Doch in Wirklichkeit plant Tierri Rodrigues, dort Arbeit zu suchen, nachdem seine viermonatige Suche in Portugal erfolglos blieb. „Ich habe Kontakte zu Firmen dort, aber nichts Sicheres“, erklärt er.

Tierri Rodrigues ist Bauingenieur, ausgebildet an der ISEL, einer renommierten Ingenieurhochschule in Lissabon. Er wird einen Teil seiner Kündigungsprämie nutzen, um seine Reise in die mosambikanische Hauptstadt Maputo zu finanzieren.

„Gute Tipps“ über das Land, in dem es angeblich „viel Arbeit gibt“, bekam er von Freunden und Verwandten. In Mosambik wird Tierri erst einmal bei Freunden unterkommen und er hofft darauf, dort zu finden, was ihm hier fehlt: einen Arbeitsplatz.

Und warum nicht Angola, wo es ebenfalls viele Stellenangebote gibt? „Ich will doch lebendig bleiben!“ antwortet Tierri und erzählt, dass die Berichte über Mosambik ermutigender sind: „Das Land ist sicherer und die Bevölkerung ist Portugiesen gegenüber offener.“

Starke Nachfrage

Nach dem „Angola-Boom“ machen sich die Portugiesen heute also auf den Weg nach Mosambik, denn das Land bietet gute Perspektiven, sowohl im Geschäftsbereich als auch auf dem Arbeitsmarkt.

Das beweist die Anzahl von Flügen der TAP: 2012 transportierte die portugiesische Fluggesellschaft 70.563 Passagiere nach Maputo, rund 26 Prozent mehr als 2011, und der Belegungsgrad ihrer Maschinen stieg von 79,2 auf 84,5 Prozent.

2011 lebten laut Angaben des Arbeitsministeriums von Mosambik 4355 Portugiesen im Land. Für 2012 gibt es zwar noch keine offizielle Statistik, doch die Zahl ist 2012 zweifellos explosionsartig angewachsen, da sie heute auf 25.000 geschätzt wird.

Die Nachfrage hat ein derartiges Ausmaß angenommen, dass die Generaldirektion für Migration in Mosambik (DNM) Anfang Januar die Visumsvergabe bei der Einreise eingestellt hat: Viele Portugiesen stellten den Visumsantrag bei ihrer Ankunft in Maputo, unter dem Vorwand eines touristischen Aufenthalts.

„Die DNM hat mehrere Fälle identifiziert, in welchen Visen illegal oder ohne Bezug zum tatsächlichen Aufenthaltsgrund vergeben wurden“, erklärte das portugiesische Generalkonsulat in Maputo am 30. Januar in einem Kommuniqué.

Seitdem die Vorschriften über die Einreise von Ausländern auf mosambikanischem Gebiet streng eingehalten werden, erwartet manche Portugiesen bei ihrer Ankunft eine Überraschung. Einige müssen gar wieder abreisen. Dies stiftete große Verwirrung in den Konsularabteilungen, die dem großen Antragsdrang, den sie heute erhalten, nicht gewachsen sind.

Kein Eldorado

Aufgrund der Krise in Portugal wenden sich immer mehr Privatpersonen und Unternehmen diesem Markt zu, für den die Banken und die Handelskammer Werbung betreiben.

Doch Diogo Gomes de Araújo, Vorstand der Sofid, einer Entwicklungsbank, deren Mehrheitsaktionär der portugiesische Staat ist und die sich den Schwellenländern widmet, warnt: „Man darf nicht unorganisiert losziehen.“

Er erinnert daran, dass Maputo eine „immer teurere Stadt“ ist, und versichert, das Leben sei dort „hart für einen Arbeitslosen“. Tatsächlich hört man immer öfter von Portugiesen, die auf der Straße leben oder einen Rücktransport beantragen müssen.

„Vor dem Auswandern oder einer beruflichen Niederlassung im Land“, so rät Diogo Gomes de Araújo, müssen sich Privatpersonen und Unternehmen „umfassend informieren, den Markt, seine Rhythmen und Regeln erkunden“.

„Es ist unerlässlich, das Land zu kennen, mit möglichst vielen Leuten darüber zu sprechen, einen detaillierten Geschäftsplan auszuarbeiten und die Risiken und die Konkurrenz einzuschätzen“, betont er.

Sicher, die Preise explodieren und die Immobilienspekulation setzt zum Höhenflug an, doch parallel dazu hat das Land nur eine schmale Mittelklasse und wenige Verbraucher.

Der Reiz, den Mosambik seit ein paar Jahren ausübt, ist – so Diogo Gomes de Araújo – auf zweierlei Gründe zurückzuführen: die Entwicklung des Landes und die Krise in Portugal.

In seinen Augen ist Mosambik zwar in der Tat ein „Modeland“, „doch man muss sich im Klaren darüber sein, dass es kein Eldorado ist“.

Ricardo Pedrosa Gomes, Vorsitzender des portugiesischen Verbands für Hoch- und Tiefbau, sagt nichts anderes: Er warnt vor der großen Weite des Landes und bedauert „die vielen Auswanderer, die auf gut Glück am falschen Ort landen“.

Doch „alle Modeerscheinungen haben eine Grundlage“, meint er, und „Mosambik hat ein unbestreitbares Potential“. Bei einer Wachstumsrate von sieben bis acht Prozent besteht der Migrationsstrom ins Land zudem nicht nur aus Portugiesen. (PLM)