Fünfzehn der 27 Mitgliedstaaten stimmten für ein europaweites Verbot der Nutzung von drei „neonicotinoiden” Chemikalien bei Pflanzenarten, die für Bienen besonders attraktiv sind.

Für die englische Tageszeitung The Independent, die das Verbot befürwortet, habe Großbritannien wegen angeblich unzureichender wissenschaftlicher Beweise dagegen gestimmt,

Die Zeitung weist darauf hin, dass „mehr als 30 verschiedene Studien einen Zusammenhang zwischen den Neonicotinoiden […] und dem Bienensterben nachweisen konnten”. Der Vorschlag, die Insektizide zu verbieten, stütze sich „auf eine Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, die im Januar feststellte, dass die Pestizide ein Gesundheitsrisiko für die Bienen darstellen.”

Die Zeitung macht allerdings darauf aufmerksam, dass man sich auch innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht einig ist. Professor Lin Field, Leiter der Abteilung für Biochemie und Pflanzenschutz bei Rothamsted Research, befürchtet, dass die Entscheidung von „politischer Lobbyarbeit” beeinflusst wurde und Regierungen dadurch andere Faktoren außer Acht lassen könnten. Dr Lynn Dicks, Forscher an der Universität von Cambridge, glaubt dagegen, dass die Abstimmung „ein Sieg für das Vorsorgeprinzip darstellt und die ökologische Regulierung damit unterstützt.”

Dem Daily Telegraph zufolge befürchten einige Landwirtschaftsexperten, dass das Verbot unbeabsichtigte Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Die Nutzung älterer Pestizide wäre beispielsweise für die Pflanzen noch gefährlicher.

The Times dagegen verteidigt das Verbot, denn es führt zu einem besseren Verständnis des Bienensterbens:

Mit dem Verbot kann beurteilt werden, ob sich die Bienenvölker ohne die Neonicotinoide wieder erholen. Es wird auch die Möglichkeit geschaffen, umfassende Studien über andere Ursachen der sinkenden Bienenzahlen durchzuführen und eine sichere Strategie für ihre Wiederbelebung zu erstellen.