Zwischen 2005 und 2008 reiste Javier Solana, der Hohe Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik der EU, mit den Außenministern Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands mehrmals nach Teheran, um die Interessen der Union, aber auch der USA zu vertreten.

Gemeinsam versuchten sie, Ali Laridschani, den damaligen iranischen Chefunterhändler bei den Atomverhandlungen, davon zu überzeugen, einen Vertrag zum iranischen Atomprogramm zu unterzeichnen.

Solana sollte dafür sorgen, dass die Vereinigten Staaten und die IAEA die Verhandlungen mit dem Iran nicht abbrechen. Europa hat diesen Kampf zwar nicht gewonnen, doch brachten die zähen Verhandlungen die iranischen Behörden dazu, ihr Programm zu ändern. Ein diplomatischer Sieg.

Heute verurteilen Franzosen, Briten und Deutsche offen die Unregelmäßigkeiten bei den iranischen Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni. Washington scheint sich allerdings nicht dieser frontalen Verurteilung anschließen zu wollen. Obama wird schon seine Gründe haben, auch wenn ihm diese Zurückhaltung teuer zu stehen kommen sollte. Mahmud Ahmadinedschad versichert, dass es im Iran eine Machtteilung gäbe. Er selbst unterliege, hebt er hervor, dem Expertenrat, dem Wächterrat und dem Schlichtungsrat. Dazu müsse er noch die Entscheidungen des obersten geistlichen Führers in der Verteidigungspolitik respektieren.

Mehr als 4000 Kilometer trennen Brüssel von Teheran. Doch die mentale Distanz ist noch größer. Europäer und Amerikaner versuchen, mit einer Extremsituation zurecht zu kommen, deren Ursprung in einer Reihe von Schwindeleien liegt. Sie versuchen es, indem sie sich an alte Mechanismen halten und an Ergebnisse der früheren Verhandlungen. Offene Diskussionen, festgehalten in von beiden Seiten unterzeichneten Protokollen: Das ist die richtige Methode, um die Differenzen zwischen den Staaten und Interessengruppen zu überwinden.

Irans Antwort ist eine andere: Schüsse der Bassidsch-Miliz auf Demonstranten. Der geistige Führer meint, auf zehn Millionen dieser unkontrolliert rekrutierten, unorganisierten und undisziplinierten Wächter zurückgreifen zu können, doch gibt es im ganzen Land wohl kaum mehr als 500.000 von ihnen.

Der Iran will zur Atommacht aufsteigen. Doch hat das Land, um dieses Ziel um jeden Preis zu erreichen, vergessen, welches die richtige Methode dazu wäre. Russland, China, Pakistan sowie der Iran sind eben nicht, was man manchmal abwertend "konventionelle Demokratien" nennt. Im Gegensatz zu den USA, zu Frankreich, Großbritannien und Indien. Und das macht den ganzen Unterschied.