Die Deutschen haben gewählt. Ihre europäischen Partner, die der Wahl eines neues Bundestages angeblich entgegenbangten wie sonst nur Engländer dem Elfmeterschießen in einem wichtigen Länderspiel, können aufatmen: Es ist vorbei und vollbracht, selbst wenn die spannendste Phase, die Bildung einer neuen Regierung in Berlin, Akteuren wie Beobachtern erst noch bevorsteht.

Die Gespanntheit, die in der Frage liegt, wer wohl künftig die politischen Zügel im Herzen Europas in Händen halten wird, ist nicht unberechtigt. Das hat mit dem Geschehen und den Erfahrungen der zurückliegenden vier Jahre zu tun. Denn die waren geprägt von der europäischen Staatsschuldenkrise, von der Sorge um den Bestand der Währungsunion und der Auseinandersetzung darüber, wie der Euro dauerhaft gesichert werden könne. Dabei spielte Deutschland eine wesentliche Rolle; viele würden diese Rolle als entscheidend und beherrschend kennzeichnen.

In den Krisenländern des Südens herrscht(e) darob nicht rundum Begeisterung, um es übervorsichtig auszudrücken. Deutschland bestand auf haushaltspolitischer Konsolidierung und machte die Übernahme eigener politischer Präferenzen zur Bedingung für die Gewährung von Beistandskrediten – das war auch eine zwingende Voraussetzung dafür, dass die meisten Deutschen, die mental schon auf den Barrikaden waren, europapolitisch nicht von der Fahne gingen. In dieser Zeit ist die zentrale politische Stellung Berlins so deutlich hervorgetreten wie seit dem Fall der Mauer nicht mehr.

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