Wladimir Putin ist gestern Abend vermutlich mit einem breiten Grinsen zu Bett gegangen. Dass amerikanische Geheimdienste womöglich private Telefongespräche der deutschen Kanzlerin abgehört haben könnten, klingt nämlich zunächst mal wie ein Witz. Ein US-Lauschangriff ausgerechnet auf jene europäische Staatsfrau, die in ihrer politischen Laufbahn noch nie antiamerikanische Reflexe bedient und die transatlantische Achse stets tapfer verteidigt hat? Das wird nicht nur im Kreml Schenkelklopfen ausgelöst haben.

Doch nach Lage der Dinge scheint die ungeheuerlich klingende Story nicht aus der Luft gegriffen zu sein. Die Reaktion des Kanzleramts und des Weißen Hauses lassen jedenfalls darauf schließen, dass es sich bei der vom "Spiegel" aufgedeckten Geschichte keineswegs um eine Räuberpistole handelt. Das Ausmaß des Skandals lässt sich noch nicht überblicken. Die Zahl der Fragen allerdings schon.

Zunächst einmal würde man gerne wissen, warum dieser unglaubliche Vertrauensbruch nicht von deutschen Diensten enthüllt wurde, sondern von Journalisten. Hält man den Lauschangriff auf die mächtigste Politikerin Europas beim BND für eine Petitesse?