„Seit 14 Monaten beschließen die Politiker der Euro-Staaten ein Rettungspaket nach dem anderen, sie treffen sich zu hektischen Gipfeln, sie rangeln um faule Kompromisse und türmen Risiken in gigantischen Dimensionen auf. Und ebenso lange drücken sie sich vor dem entscheidenden Befund: So geht es nicht weiter. Der alte Euro, so wie er gedacht war, existiert nicht mehr, die Europäische Währungsunion funktioniert nicht. Wir brauchen einen Plan B.“ – So der Spiegel in seiner letzten Ausgabe „Auf Gedeih und Verderb , in dem das Nachrichtenmagazin auf neun Seiten beschreibt, warum der Euro so nicht gerettet werden kann, und vielleicht gar nicht.

Die Probleme reißen nicht ab: Fehlende demokratische Legitimation im Entscheidungsprozess, abgewürgte Volkswirtschaften, herabstufende Rating-Agenturen, steigende Zinsen, eine EZB, die so viele Schrottpapiere hält, dass sie selbst droht, zur Bad Bank zu werden usw...Aber:

„Trotz aller Hilfsmaßnahmen und trotz all der Risiken, die ihre Retter auf sich genommen haben, stehen die schwachen Euro-Länder wieder da, wo sie vor etwas mehr als einem Jahr auch schon standen: am Abgrund. Die Risikoaufschläge für ihre Staatsanleihen sind auf neue Rekordstände geklettert, die Griechen brauchen frisches Geld, ansonsten droht die Pleite, und auch die Gefahr, dass die Krise auf andere Euro-Länder überspringt, ist längst nicht gebannt. [...]

Grundsätzlich gibt es zwei Alternativen: eine radikale, bei der die Regierenden die Reißleine ziehen und die angeschlagenen Länder sich selbst überlassen. Und eine pragmatische, bei der sie weiter wursteln, wenn auch etwas effizienter, und auf Besserung hoffen. Billig wird keine der beiden Lösungen.“

Auch ein Auseinanderbrechen der Währungsunion sei möglich, oder die ganz schnelle Schaffung eines politischen Union.

„Doch so einfach ist es nicht, mehr Integration heißt noch lange nicht, dass dadurch wirtschaftliche Ungleichgewichte verschwinden. Niemand weiß das besser als die Deutschen, die vor rund 20 Jahren einschlägige Erfahrungen bei der deutsch-deutschen Währungsunion machten.“ [...]

„Fazit: Die deutsche Einheit taugt nicht als Vorbild, sondern als abschreckendes Beispiel. Sie zeigt, wie schnell eine falsch konstruierte Währungs- in eine dauerhafte Transferunion führen kann. Mit den europäischen Verträgen wäre ein solches Modell ohnehin nicht vereinbar, neue Verträge müssten verhandelt und von allen nationalen Parlamenten verabschiedet, möglicherweise auch in Volksabstimmungen abgesegnet werden. Aber vielleicht werden die Völker Europas und ihre Vertreter schon vorher über das Schicksal der Währungsunion entscheiden: in Athen oder Lissabon, wenn die geforderten Reformen am Widerstand der Straße scheitern. Oder in Berlin – wenn die Milliarden aus den Bürgschaften tatsächlich fällig werden.“ Zum ganzen Artikel auf Spiegel International...