Katrin Krabbe als Sinnbild für die Wiedervereinigung des deutschen Sports: Übernahme der erfolgreichen Ost-Sprinterin durch die BRD, Enthusiasmus für die Weltrekorde des gesamtdeutschen Mädchens, die erste positive Dopingprobe, der Fall. Entlang dieses Prinzips rekonstruieren sieben Redakteure im Spiegel die Geschichte der Sportvereinigung Deutschlands: "Der Osten war stolz, Weltklasse in die Vereinigung einzubringen. [...] 519 Medaillen holte das Land bei elf Olympischen Spielen. Sport war Staatsziel". Und Kanzler Helmut Kohl "sprach sich für die 'Aufrechterhaltung des hohen Niveaus' des DDR-Sports aus".

In Berlin läuft in der Zwischenzeit "ein historischer Wettlauf um die Wahrheit". Anabolikapillen werden vernichtet, brisante Aufzeichnungen über den Staatsplan 14.25 tauchen auf, den staatlichen Dopingplan. Doch den Empfehlungen des Deutschen Sportbundes, jeden Trainer mit Doping-Vergangenheit zu entlassen mangelt an Kontrollen – fehlendes Interesse. Belastete Trainer sitzen weiterhin überall.

1991 erscheint "Doping-Dokumente", der "Urknall im Prozess der Sportvereinigung". Heidi Krieger, ehemalige Kugelstoßerin, entdeckt, in welchem Maß sie Opfer des Dopingplans war. "Hormon-Heidi" wurde mit Testosteron gemästet, heute heißt sie mit Vornamen Andreas. 1998 beginnen die Prozesse. Gerichte verurteilen Ärzte, Wissenschaftler und Funktionäre zu Haft- und Geldstrafen. "Aber irgendwann erlahmte auch der Verfolgungswille der Staatsanwaltschaften." Seit 2008 gibt es ein neues Gremium, die "Steiner-Kommission". Und die? "Entlastete Siebenkampftrainer Klaus Baarck", der die "kontrollierte" Abgabe der DDR-Medikamente für nicht gefährlich erklärt. "Zur WM in Berlin gelangte er nun, indem er vor der Steiner-Kommission Reue zeigte und ein Entschuldigungsschreiben unterzeichnete. So kann es für ihn immer weitergehen".