Bernard Guetta
Der französische Journalist Bernard Guetta (Jahrgang 1951) ist in seinem Land einer der anerkanntesten Spezialisten für internationale Politik. Nachdem er zu Beginn seiner Karriere für den Nouvel Observateur schrieb, arbeitete er in den 1980er Jahren in Warschau, Washington und Moskau als Korrespondent für Le Monde. Gegenwärtig moderiert er eine tägliche Radio-Chronik auf France Interund schreibt wöchentlich für Libération.
Updated: 18. Januar 2017
Für die Europäische Union ist Donald Trump ein echter Glücksfall, denn er hat es mit wenigen Sätzen und bemerkenswerter Effizienz geschafft, ihre Reihen wieder so fest zu schließen schon lange nicht mehr.
Die Union betraut ein Land mit der Krisenbewältigung der Migranten, in dem die Spannungen zwischen den Befürwortern des islamisch-konservativen und den Verfechtern eines fortschrittlich-laizistischen Lebensstils hochkochen und das international immer weiter isoliert wird, meint Bernard Guetta.
Das ist die vom Präsidenten des Europäischen Rates Donald Tusk den Achtundzwanzig gesetzte Frist für die Findung einer dauerhaften Lösung der Emigrantenkrise und die Relokalisierung der Flüchtlinge. Ansonsten, so warnt Bernard Guetta, wird die Freizügigkeitszone implodieren.
Der Erfolg des Front National von Marine Le Pen im ersten Wahlgang der Regionalwahlen am 6. Dezember ist die neueste Episode eines Phänomens, das ganz Europa betrifft. Es benötigt eine solidarische Antwort der demokratischen Parteien, wenn wir einen Zerfall der Union verhindern wollen, warnt Bernard Guetta.
Nach den Anschlägen vom 13. November hat ein europäischer Staat – Frankreich – zum ersten Mal in der Geschichte Europas seine Partner um Hilfe bei einem bewaffneten Angriff gebeten. Die einstimmige Zustimmung aller achtundzwanzig EU-Staaten stellt einen Wendepunkt in der Außenpolitik und der Verteidigung der Union dar, betont Bernard Guetta.
Das Ergebnis der Wahlen am 4. Oktober bestätigt eine Tendenz der europäischen Linken: Es entstehen Parteien die gegen Sparmaßnamen, aber auch pro-europäisch sind.
Wer auch immer ins Weiße Haus einzieht, Europa muss eines akzeptieren: Es ist für die USA strategisch keine Priorität mehr. Es muss seine eigene, gemeinsame Verteidigung verstärken und entschlossene diplomatische Beziehungen zu Russland und den Mittelmeerländern unterhalten.
Bankenunion, neue Investitionen, Vertiefung der politischen und wirtschaftlichen Union...der Gipfel am 28. und 29. Juni sollte Europa neuen Spielraum verschaffen, meint der Leitartikler Bernard Guetta. Schade nur, dass die Verhandlungsführer eher wie in Not geratene Rechnungsführer denn wie Visionäre agieren.
Am Sondergipfel vom 23. Mai haben die siebenundzwanzig EU-Mitgliedsstaaten akzeptiert, die Diskussionen über gemeinsame Investitionen und Eurobonds zu eröffnen. Damit haben sie es endlich geschafft, die Kluft zwischen „tugendhaften“ und „verschwendirischen“ Ländern zu überwinden. Ein Schritt in Richtung mehr wirtschaftliche Integration.
Mit ihrer Beteiligung am Libyen-Einsatz entdecken die Europäer, dass sie nicht über die Mittel für ihre Ambitionen verfügen. Und ohne militärische Mittel steht die Union in einer für sie strategisch wichtigen Region ohne eine glaubwürdige Diplomatie da. Deshalb müssen die EU-Länder in der Verteidigung zusammenarbeiten.
Eine konservativ ausgerichtete europäische Regierung einerseits, ein Schattenkabinett der linken Opposition andererseits: Mit der Wirtschafts- und Finanzkrise bildet sich allmählich eine funktionierende EU-Demokratie heraus, schreibt der französische Journalist Bernard Guetta.
Die europäische Rechtsextreme wächst und übt immer mehr Druck auf dem ganzen Kontinent aus. Bald könnte sie die Funktionsweise der Union verändern, warnt der französische Kolumnist Bernard Guetta.