Das Gleichnis vom Esel von Buridan treibt das Dilemma auf die Spitze: Der Esel kann sich nicht entscheiden, ob er zuerst das Heu fressen oder Wasser trinken soll und verhungert und verdurstet schließlich. Spinoza bezog sich auf das Gleichnis und schrieb, wenn ein Mensch in der gleichen Situation wie der Esel wäre, würde er auch nicht mehr nach seinem freien Willen handeln und genauso entscheidungslos sein.

Man könnte den Gedanken weiterspinnen und den Esel durch ein Land ersetzen, in diesem Falle Griechenland. Es muss zwischen harten Sparplänen und einer Staatsreform wählen, und zwar unter dem Zwang der Troika aus IWF, EU und EZB und gegen den Willen seines Volkes und seiner Interessenverbände.

Denn was bedeutet das von den Finanzministern der Eurozone gestellte Ultimatum schon anderes? Die griechische Regierung muss bis zum 15. Februar weitere 325 Millionen Euro an Einsparungen auftreiben, wenn sie das Darlehen über 130 Milliarden Euro erhalten will, das im Oktober von den europäischen Staatschefs bestätigt wurde. Wie im Volkskrant dieser Woche zu lesen, ist der Austritt Griechenlands aus der Eurozone kein Tabu mehr, denn die Europäer werden langsam wegen der schleppenden Umsetzung der geforderten Reformen ungeduldig.

Nach zwei Jahren Krise ist das griechische Steuersystem immer noch genauso ineffizient wie früher. Außerdem wurden viele Versprechungen gegenüber der Troika nicht eingehalten. Der Athener Esel scheint sich also nicht gerade für den Heuhaufen der Reformen entschieden zu haben.

Doch auch wenn er begonnen hat, das bittere Wasser der Sparpläne zu trinken, so sträubt er sich, den Eimer zu leeren, den die Troika und ihre Geldgeber ihm hinhalten. Dies hat sicherlich politische Hintergründe, denn die Parteien, die den Ministerpräsidenten Lucas Papademos träge unterstützen, behalten die nächsten Wahlen im Auge. Er widersetzt sich aber vor allem, weil das griechische Volk nach zwei Jahren Gehaltssenkungen und Preiserhöhungen verarmt ist und nicht mehr alleine das Gewicht der Sparmaßnahmen stemmen kann.

Die Minister der Eurogruppe haben sich zu allem Überfluss überlegt, Griechenland für seine Rettung noch härter zum Sparen zu zwingen. Sie sollten es lieber dazu bringen, die schon geforderten Reformen wie zum Beispiel die Steuerreform umzusetzen. Mit ihr wären weitaus höhere Steuereinnahmen des Staates zu erwarten. Vor allem sollten sie fordern, dass Athen Absurditäten wie die Steuerbefreiung der griechischen Kirche oder die Aufrechterhaltung eines vergleichsweise höheren Verteidigungsetats als überall sonst in Europa ein Ende setzt.

Wenn der Esel schließlich stirbt, wenn Griechenland also zahlungsunfähig wird und aus der Eurozone ausscheidet, wäre er für sein Schicksal teilweise selbst verantwortlich. Gleichzeitig wäre er aber auch zu einer unmöglichen – da unsinnigen – Wahl gedrängt worden. (sd)