14.-21. Juli. Vom Sturm auf die Bastille bis zum Eid Leopolds I. folgt auf das Gedenken an die Französische Revolution im Kalender der europäischen Nationalfeiertage ironischerweise die Feier einer Monarchie: der von Belgien. Dieses Jahr gewinnt das Datum an Bedeutung. Nach zwanzigjähriger Regentschaft übergibt König Albert II. das Zepter an seinen Sohn Philippe.

Bei dem Ereignis geht es nicht nur um die üblichen Fotos des royalen Glücks und des dynastischen Ernstes, die in der Boulevardpresse zu sehen sein werden. Denn in gewisser Weise ist der belgische König der letzte nützliche Monarch in Europa. Nachdem Albert II. am 3. Juli seine Abdankung ankündigte, erinnerten sowohl die flämischen als auch die französischsprachigen Zeitungen an die entscheidende Rolle des Königs in der langen politischen und institutionellen Krise, die das Land zwischen 2010 und 2012 gelähmt hatte. Sein Nachfolger wird nach den Parlamentswahlen im Frühjahr 2014 ebenso für die nationale Einheit garantieren müssen.

Es gibt noch sieben Monarchien in der Europäischen Union. Auch wenn nur wenige Republik und Demokratie verwechseln, um die Legitimität der konstitutionellen Monarchien zu widerlegen, haben die Herrscherhäuser viel von ihrer Aura verloren und müssen sich mehr und mehr unserer modernen Gesellschaft anpassen. So muss König Philippe etwa Steuern zahlen, genau wie die Queen es bereits tut.

Doch obwohl die Herrscher ihren sakralen Charakter verloren haben, werden sie weiterhin als Sinnbild der Nation angesehen. Sie gelten als unparteiisch, während dessen Staatspräsidenten immer mehr zum Spielball der Politik und Regierungsmitglieder regelmäßig der Korruption verdächtigt werden. Aber selbst diese Grenze wird nach und nach überschritten, wie es die Probleme in Spanien von Ministerpräsident Mariano Rajoy und König Juan Carlos zeigen. Der Politiker ist in den Skandal um die Volkspartei verwickelt, Juan Carlos in den um die königliche Familie.

In Europa, wo das Konzept der Nation weniger selbstverständlich, der Ruf nach Demokratie stärker und die Wirtschaftskrise schlimmer geworden ist, riskieren die Könige und Königinnen des Alten Kontinents, sich bald nicht schnell genug anzupassen. Doch gerade jetzt ist ein guter Zeitpunkt für eine Warnung an die nächste blaublütige Generation, denn das Royal Baby wird nicht mehr lange auf sich warten lassen!