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“Antifaschistische Kundgebung trifft auf rechtsextreme Gegendemonstration“, titelt die Tageszeitung Népszava nach der Wortschlacht, die sich mehrere Tausend Menschen am Mittwochabend in Budapest geliefert hatten. Gegenstand des Unmuts der Linksliberalen war die Bestellung György Dörners an die Spitze des Neuen Theaters. Der frischgebackene Leiter des Budapester Schauspielhauses, das von der Stadt finanziert wird, habe erklärt, sich von den Ideen seines Mentors, des rechtsextremen Dramatikers und Politikers István Csurka inspirieren zu lassen. Der fanatische Antisemit hetzt gegen die jüdische “New York-Tel Aviv-Budapest-Achse“, die sich gegen die ungarische Nation verschworen haben soll, erklärt Népszava.

Zu der Kundgebung aufgerufen hatte Vilmos Hanti, Leiter des Ungarischen Bundes der Widerstandskämpfer und Antifaschisten (MEASZ). Ihm zufolge hat der Budapester Oberbürgermeister seine Entscheidung nicht zurückgenommen, weil diese Ernennung ganz im Sinn der Politik der nationalkonservativen Regierungspartei Fidesz unter dem Vorsitz Viktor Orbáns sei. Die Tageszeitung Népszabadság beschreibt die Szene vor dem Theater als “surrealistisch“: Die empörten Demonstranten schwenkten Spruchbänder mit Aufschriften wie “Leistet Arturo Ui Widerstand!“ oder “Wir gehören zu Europa“, während die militanten Rechtsextremen ihrer Wut mit Slogans wie “Dreckjuden“ oder “Landesverräter“ Luft machten.