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„EU will Medikamententests kontrollieren“, titelt die Berliner Zeitung. Der Gesetzesvorschlag von EU-Gesundheitskommissar John Dalli zielt unter anderem darauf ab, die Durchführung der Tests einfacher zu machen.

Derzeit stoßen die Pharmaunternehmen bei internationalen, klinischen Studien in Europa aufgrund der zahlreichen juristischen Unterschiede in den EU-Ländern auf hohe Hürden, weshalb immer mehr Studien außerhalb des Kontinents durchgeführt werden, am häufigsten in den Schwellenländern. Die Anzahl der klinischen Tests von Arzneimitteln in Europa ist von 5000 im Jahr 2007 auf 2800 im Jahr 2011 gesunken.

In den Schwellenländern Asiens und Südamerikas, sowie in Russland, wo die Verfahren weniger kostenaufwendig sind, werden jährlich 20.000 Wirkstoffe an Menschen erprobt, sagt die niederländische Patientenrechtsorganisation Wemos. Der Kostenunterschied von 40 Prozent ist ein gewichtiges Argument für die Pharma-Unternehmen, für welche die Kosten solcher Tests bis zur Hälfte der Forschungskosten eines neuen Medikaments darstellen können. Durchschnittlich belaufen diese sich auf 1 Milliarde Euro pro Wirkstoff.

Um sich dieser Wirklichkeit anpassen zu können, versucht die EU-Kommission zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Europa attraktiver machen, indem man die Zulassungsverfahren mittels einer gemeinsamen, für alle EU-Länder zuständigen Behörde vereinfacht, und die Einhaltung europäischer Standards dieser Test für alle europäischen Firmen, auch im Ausland.

Die zweite Maßnahme betrifft vor allem Indien, wo die Arzneimitteltests an Menschen im Jahr 2005 massiv erleichtert wurden. Viele der Testpersonen, die ihre Zustimmung schriftlich gegeben hatten und angeblich über mögliche Nebenwirkungen informiert worden seien, waren in Wirklichkeit Analphabeten oder Minderjährige, ohne Zustimmung der Eltern.

Der Ministerrat und das Europäische Parlament sollen über den Verordnungsentwurf, der strenger als die derzeitige Richtlinie sein soll, beraten. Sollten EU-Parlament und EU–Länder dem Vorschlag zustimmen, könnten die neuen Regeln 2016 in Kraft treten.