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„Wir gehen unter!“ lautet die Schlagzeile des Nachrichtenmagazins Wprost über die niederschmetternden Umfrageergebnisse für Regierungschef Donald Tusk und seine Partei Bürgerplattform (PO). Laut der jüngsten Umfrage des polnischen Meinungsforschungsinstituts CBOS misstrauen 44 Prozent der Befragten dem polnischen Ministerpräsidenten. Nie zuvor schnitt er in Wahlumfragen so schlecht ab.

Die Beschwerdeliste ist lang. Der Amber-Gold-Skandal, in den Tusks Sohn verwickelt ist, die irrtümliche Identifikation der Leichen des Flugzeugabsturzes bei Smolensk (fehlerhafte Ergebnisse wurden in mindestens zwei Fällen bestätigt), sowie die jüngste Ansprache des Regierungschefs vor dem Parlament, die kaum Anklang fand (und als sogenannter „Zweit-Vortrag“ gilt). Für das Warschauer Mazgazin lieferte Tusk darin einen Mischmasch aus realitätsfremden und wagen Versprechungen, anstatt ein detailliertes Programm zu präsentieren, mit dem das Land schnellstmöglich wieder zum Wachstum zurückfindet. Dabei, so Wprost...

hätte es sein Herbst sein sollen. Die Rede und ein Neubeginn. Stattdessen geht der Mann in die Defensive und muss einen Schlag nach dem anderen einstecken. Irgendetwas ist falsch gelaufen und irgendwie geht das alles zu weit. [...] Die Wähler sind immer wütender auf Donald Tusk und machen ihn für ihr Unglück verantwortlich – ob er nun dafür Schuld trägt oder nicht – wie die jüngste Überschwemmung des Fußballfeldes im Nationalstadion.

Bis es den Veranstaltern viel zu spät gelungen war, das Stadiondach des Warschauer Nationalstadions zu schließen, hatten sintflutartige Regenfälle den Stadionrasen aufgeweicht und in einen Sumpf verwandelt. Infolgedessen musste die FIFA das für Dienstagabend geplante WM-Qualifikationsspiel Polen gegen England auf Mittwoch Nachmittag verlegen.

Im Internet und den sozialen Netzwerken löste die Panne eine Flut kritischer Kommentareaus, in denen auch der Regierungschef an den Pranger gestellt wurde. Ein Mitglied der PO, das anonym bleiben möchte, beklagt sich bei Wprost:

Früher wussten wir normalerweise vorher, was die Medien berichten würden. Das war unsere Stärke. Heutzutage hinken wir den Ereignissen hinterher.