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„Pokłosie unter Beschuss“, titelt die Gazeta Wyborcza, nachdem der neueste Film des polnischen Regisseurs Władysław Pasikowski etliche Kontroversen ausgelöst hat. Pokłosie (englischer Titel: Aftermath) inspiriert sich an einer wahren Geschichte: 1941 wurden im Dorf Jedwabne, im damals von NS-Deutschland besetzten Polen, rund 300 polnische Juden umgebracht. Männer, Frauen und Kinder werden gezeigt, wie sie von ihren polnischen Nachbarn in eine Scheune getrieben und bei lebendigem Leibe verbrannt werden. Konservative Kommentatoren machten den Film nieder, mit der Begründung, er gebe dem ganzen Volk eine kollektive Schuld und präsentiere eine schwarz-weiße, falsche Sicht der Geschichte, in welcher die Polen als „böse Antisemiten“ und „Mittäter am Holocaust“ dargestellt werden. Doch, wie Piotr Zychowicz in der konservativen Wochenzeitung Uważam Rze betont:

Kein Volk hat das Monopol auf das Böse und kein Volk hat das Monopol auf das Gute. Völker bestehen aus Millionen von Menschen, und Menschen sind nun einmal sehr verschieden...

Die liberalere Gazeta Wyborcza wiederum appelliert an die Kritiker, sie sollten aufhören zu versuchen, den „Säuberungsprozess“ mit „nationalistischer Ideologie“ aufzuhalten. Das Blatt weist anhand eines Zitats aus dem berühmten Buch Nachbarn von Jan Tomasz Gross darauf hin, dass es Polen gab, die Juden rein aus Profit töteten. Die Tageszeitung verteidigt Pokłosie und nennt es ein...

wertvolles, im polnischen Film einzigartiges Werk, das eine nur oberflächlich verheilte Wunde des polnischen Gewissens wieder öffnet.