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„Im Kreuzfeuer der Justiz“, titelt die Kleine Zeitung in Österreich. Seit dem 26. November muss sich der ehemalige EU-Abgeordnete und Ex-Innenminister des Landes, Ernst Strasser, wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht verantworten. Im Jahr 2010, zur Zeit seines Brüsseler Mandats, hatte er „zwei als Lobbyisten getarnten, britischen Journalisten“ der Sunday Times, die ihn mit versteckter Kamera filmten, seine Bereitschaft erklärt, für 100 000 Euro pro Jahr europäische Gesetzestexte zu beeinflussen. Das Blatt schreibt, Strasser sei der Staatsanwältin zufolge ...

Geld [...] wichtiger gewesen als Integrität. Die meisten der 60 von den britischen Journalisten in Versuchung geführten Abgeordneten hätten – bis auf Strasser und einem slowenischen und rumänischen Parlamentarier – dem widerstanden.

Der ehemalige Minister selbst betrachtet sich hingegen als unschuldig. WieDie Pressemitteilt, beteuert Strassers Verteidiger, dieser „habe ein Komplott, möglicherweise eines Geheimdienstes, aufdecken wollen”, indem er sich auf die Gespräche mit den vermeintlichen Lobbyisten einließ. Für die Tageszeitung stellt das von den Journalisten veröffentlichte Gesprächsprokoll „ein bemerkenswertes Zeugnis von Arroganz, Selbstherrlichkeit, Überheblichkeit und Skrupellosigkeit“ dar. Strasser drohen im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.