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„Zeman gegen den Aristokrat”, titelt Respekt. Der adlige Karel Schwarzenberg hat mit seiner Zweitplatzierung bei der ersten Runde der tschechischen Präsidentschaftswahlen für eine Überraschung gesorgt. Mit 23,4 Prozent hat er lediglich 0,81 Prozent weniger Stimmen für sich gewinnen können als der ehemalige Ministerpräsident Miloš Zeman. Für die Wochenzeitung ist die Paarung der Stichwahl vom 25. und 26. Januar „sehr spannend, denn sie steht für zwei sehr unterschiedliche Wege.“ Während der ehemalige Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Zeman die „Leute vom Land“ repräsentiert, findet „der Adel“ des konservativen Schwarzenberg in den großen Städten regen Zuspruch.

Schwarzenberg, amtierender Außenminister und Vorsitzender der (konservativen) Partei TOP 09, wurde lange Zeit als Außenseiter gehandelt und konnte vor allem in den letzten Tagen des Wahlkampfes einen großen Teil der Wählerschaft für sich gewinnen. Respekt zufolge ist dies „seinem Charisma, dem gelungenen Wahlkampf und seiner persönlichen Geschichte zu verdanken, die kein anderer Politiker seit Václav Havel vorweisen kann“.

Der aus einer großen Adelsfamilie stammende Schwarzenberg musste 1948 mit der Machtübernahme der Kommunisten aus der Tschechoslowakei fliehen. Während der kommunistischen Ära kam er wiederholt in das Land zurück, um die Dissidenten zu unterstützen. 1989 wurde er Büroleiter von Präsident Václav Havel und schließlich Außenminister.

Die 2,5 Millionen Tschechen, die sich zu rund 60 Prozent an der Wahl beteiligten, „haben den Vertretern derjenigen Generation eine Chance gegeben, die das Gesicht des Landes seit den 90er Jahren prägten”, kommentiert Hospodářské noviny:

Wer symbolisiert den Wandel? Wer repräsentiert die Vergangenheit, wer die Gegenwart? Der 75-jährige Außenminister oder der 68-jährige Ex-Premier ? Bei allem Respekt, den man ihnen schuldet, wirkt die Diskussion eher lächerlich. Aber es gibt einen guten Grund dafür. Die Tschechen, die mit der Wahl ihre Politikverdrossenheit zum Ausdruck brachten, haben gezeigt, dass sie von „Wandel” und „Neubeginn” nichts halten und auf Sicherheit und Traditionen setzen.”