Schottland: Großbritannien schlägt Kapital aus Unabhängigkeits-Ängsten

24. April 2013 – Presseurop Financial Times, The Herald

In einem am 23. April veröffentlichen Bericht fragt sich das britische Schatzamt, für welche Währung sich die Schotten wohl entscheiden werden, wenn sie sich beim bevorstehenden Unabhängigkeits-Referendum für eine Abtrennung vom Rest Großbritanniens entscheiden sollten. Laut der Financial Times läutet dieser Bericht „eine neue Kraftprobe ein, die auf einem der wichtigsten politischen Schlachtfelder“ ausgetragen wird: Dem „historischen Referendum, das nächstes Jahr stattfinden wird“.

Dem Bericht zufolge wird Schottland sich für eine der folgenden drei Möglichkeiten entscheiden müssen: Wählt es die Unabhängigkeit, kann es entweder der Eurozone beitreten, oder seine eigene Währung schaffen, oder aber das britische Pfund behalten. Die letzte Lösung befürwortet die separatistische Scottish National Party. Die Financial Times weist außerdem darauf hin, dass...

...die schottische Regierung dem Pfund treu bleiben will. Ihrer Begründung zufolge würde eine Währungsunion der Stabilität der Geschäfts- und Wirtschaftswelten beider Länder zugutekommen. Allerdings deutete Schatzkanzler George Osborne bereits an, dass Großbritannien keine euro-artige Währungsunion mit einer ausländischen Regierung eingehen wolle, auch wenn es sich dabei um Schottland handele. [...] Würde Schottland auch weiterhin mit dem Pfund bezahlen, würden die Steuer- und Ausgabebefugnisse [des schottischen Ministerpräsidenten Alex] Salmond erheblich beschnitten werden. Solange sie als Zentralbank-Kreditgeber fungiert würde die Bank von England zu Recht fordern, ein wachsames Auge auf die Finanz- und Haushaltskontrollen werfen zu dürfen.

In den Augen des Herald-Leitartiklers Ian Bell ist „das Argument der Währung, die es möglicherweise in einem unabhängigen Schottland geben wird, im Wesentlichen ein politisches und kein wirtschaftliches [Argument]“. Bells zufolge

ruft Osborne [die Schotten] dazu auf, die Unabhängigkeit zu wählen und auf eine formelle Währungsunion zu hoffen, in deren Rahmen [England] dann die wesentliche Kontrolle über die [schottische] Wirtschaft beanspruchen wird. Tatsächlich wird [Großbritannien aber] noch mehr Kontrolle verlangen, als Deutschland [beispielsweise] in der Eurozone ausübt. [...] In manchen Kreisen gilt [diese Strategie] als besonders gefährlich.

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