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„Die Beziehungen zu Europa werden immer angespannter“, titelt Milliyet am 18. Juni. Nach dem brutalen Vorgehen der Polizei gegen die regierungskritischen Demonstranten haben mehrere EU-Regierungschefs und EU-Abgeordnete die Haltung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan unverblümt als „autoritär“ kritisiert. Der Fall nimmt nun eine diplomatische Dimension an, nachdem mehrere bilaterale Treffen zwischen der EU und der Türkei abgesagt wurden, berichtet die Tageszeitung aus Istanbul.

Die Hoffnung auf eine positivere Beziehung mit der Europäischen Union hat sich nach den Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Ereignisse des Gezi-Parks verflüchtigt. So hat man auf türkischer Seite begonnen, die Termine mit EU-Vertretern abzusagen.

Das Blatt berichtet, dass der türkische Justizminister Sadullah Ergin in diesen Tagen in Brüssel auf Vertreter sowohl der EU-Kommission und als auch des Europäischen Parlaments treffen sollte, um über die Justizreform und die Lage der Pressefreiheit zu berichten. Im letzten Moment habe er seinen Besuch abgesagt. Des Weiteren habe die türkische Regierung auch die vorgesehenen Treffen mit der hochkarätigen dreizehnköpfigen Delegation des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten des Europaparlaments abgesagt.

Unter diesen Umständen fragt sich Millyet, ob die Sitzungen des gemischten parlamentarischen Ausschusses EU-Türkei wie geplant am 27. und 28. Juni stattfinden werden, zumal die türkischen Delegierten hauptsächlich Abgeordnete aus den Rängen von Erdoğans „Partei für Gerechtigkeit und Wohlstand“ (AKP) seien.