75 Jahre nach der Kristallnacht, vom 9. zum 10. November 1938, bleibt die Angst vor Antisemitismus in Europa bestehen. Das ergab eine breit angelegten Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte zum jüdischen Alltag in Europa. Befragt wurden rund 6000 Juden in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Litauen, Schweden und Ungarn – den Ländern, in welchen etwa 90 Prozent der europäischen Juden leben.

Die Studie, deren wichtigste Ergebnisse von Spiegel Online veröffentlicht werden, „verdeutlicht [...] wie sehr diese Angst ihr Leben prägt“, so erklärt die Website:

[D]rei Viertel [der Befragten] verzeichneten [...] einen Anstieg der Anfeindungen in ihrem Heimatland in den vergangenen fünf Jahren. [...] Ein Viertel der Befragten gab an, in den vergangenen Monaten angegriffen worden zu sein, vier Prozent erlebten körperliche Gewalt. [...] Von den berufstätigen Befragten gab jeder Zehnte an, an seinem Arbeitsplatz wegen seines jüdischen Glaubens schon einmal diskriminiert worden zu sein. Ebenso wie jeder Zehnte, der auf Jobsuche war.

Die Juden in Deutschland zeigen sich am stärksten beunruhigt. 25 Prozent von ihnen haben „in den vergangenen fünf Jahren darüber nachgedacht, Deutschland zu verlassen, weil sie sich in der Bundesrepublik nicht sicher fühlen“.

„In Deutschland sind antisemitische Anfeindungen deutlich vom Nahost-Konflikt geprägt”, erklärt Spiegel Online:

49 Prozent der befragten deutschen Juden gaben an, kürzlich mit der Aussage „Israelis behandeln die Palästinenser, wie die Nazis die Juden behandelt haben”, konfrontiert worden zu sein. Die deutschen Juden, so muten die Ergebnisse der Studie an, werden als Stellvertreter des jüdischen Staates und seiner Politik gesehen.