Welche Sprache spricht die Europäische Union nun eigentlich? Bis vor gut zehn Jahren hätte die Antwort auf diese Frage wohl „hauptsächlich Französisch“ gelautet, obwohl Englisch bereits an Boden gewann. Heute wird die Sprache Shakespeares in einem Dutzend Länder gerne als Zweit- oder Arbeitssprache angewendet: „Die Europäer haben sich mit großer Mehrheit für das Englische entschieden“, schreibt The Economist.

Das britische Magazin meint dazu:

Die Europäische Union führt immer mehr Geschäfte in englischer Sprache. Die Dolmetscher haben manchmal den Eindruck, dass ihnen gar keiner zuhört. Letztes Jahr trat der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck für ein englischsprachiges Europa ein: Man könne die Nationalsprachen weiterhin für ihre Spiritualität und ihre Poesie schätzen, neben einem „akzeptablen Englisch für alle Lebenslagen und Lebensalter“. Manche haben schon eine europäische Form des „global English“ (Globish) entdeckt: Ein Dialekt, der aussieht wie Englisch, gemischt mit kontinentaleuropäischer Kadenz und Syntax, und in seinem Schlepptau ein institutioneller EU-Jargon, in dem es von linguistischen (und vorwiegend aus dem Französischen stammenden) „falschen Freunden“ wimmelt. In Brüssel bedeutet „to assist“, dass man anwesend ist, nicht dass man assistiert; „to control“ heißt „überprüfen“, nicht „beherrschen“ oder „leiten“; „adequate“ wird mit „adäquat“ gleichgesetzt, obgleich es „hinlänglich“ bedeutet; und manche unzählbare englische Substantive haben auf einmal einen Plural, so etwa „advices“, „informations“ und „aids“. „Anglo-Saxon“ ist kein historisches Adjektiv mehr, das sich auf germanische Stämme in Britannien bezieht, sondern ein politisches Schimpfwort, nach welchem „capitalism“ oder gar „press“ steht. Normaleuropäer erhielten einen ersten Eindruck des Euro-Globish in den TV-Debatten der führenden Kandidaten für die Europawahlen vom 22. bis zum 25. Mai. Dass die wichtigsten politischen Fraktionen Europas ihre Anwärter auf den Posten des Präsidenten der Europäischen Kommission mit dem deutschen Wort „Spitzenkandidat“ vorstellen, ist etwas völlig Neues (und Brüssels erster deutscher Neologismus seit Jahren). Damit sollte das demokratische Defizit ausgeglichen, Begeisterung erregt, das Sinken der Wahlbeteiligung gestoppt und der Aufstieg der Anti-EU-Parteien blockiert werden.

Den gesamten Artikel finden Sie auf der Internetseite von The Economist.