Die Abschaffung des starren Wechselkurses des Schweizer Franken, die die Schweizer Nationalbank am 15. Januar beschloss, wirkte in Polen wie eine kalte Dusche berichtet die Gazeta Wyborcza.

Tatsächlich „hob der Schweizer Franken nach dieser Entscheidung ab“: Innerhalb weniger Stunden stieg sein Kurs von 3,5 Zloty (ein Euro entspricht rund 4,2 Zloty) auf 5,20 Zloty. Wie die Zeitung berichtet –

hält er sich derzeit bei 4,3 Zloty [aktuell 4,2 Zloti]. Die monatlichen Raten von Schuldnern, die einen Immobilienkredit in Schweizer Franken aufgenommen haben, sind völlig unerwartet stark gestiegen. Die durchschnittliche Monatsrate für einen Hypothekenkredit liegt in Polen bei 500 Euro, aber diejenigen, die Schulden in Schweizer Franken haben, zahlen seitdem 570 Euro.

Laut einem Bericht der New York Times „waren im Jahr 2013 in Polen 562.487 Hypothekenkredite in Schweizer Franken notiert; das ist fast ein Drittel aller Immobilienkredite.“

Das bedeutet, dass für viele Haushalte ihre monatliche Kreditrate innerhalb nur eines Tages erheblich angestiegen ist. Die amerikanische Zeitung hat Aussagen von Kreditnehmern eingeholt, die zwischen 2004 und 2010 beschlossen hatten, Kredite in Schweizer Franken aufzunehmen, weil, wie einer von ihnen erzählt „es alle so gemacht haben“. Die Tageszeitung erläutert, dass „Banken vor der Finanzkrise in Europa ihre Kunden drängten, Kredite in Schweizer Franken aufzunehmen“, indem sie wesentlich günstigere Konditionen als für Kredite in Zloty anboten. Die Zeitung nennt das Beispiel eines Mannes, der 4,65 % Zinsen zahlt, für einen Kredit in Zloty dagegen 10-12 % gezahlt hätte.

Zur Zeit, so stellt das Blatt fest, „sind sie entsetzt; sie haben Angst und bitten die Regierung, etwas zu unternehmen“; eine der Personen, die der Times-Journalist getroffen hat, bestätigt, dass sie sogar schon „an Selbstmord“ gedacht hat.

Die New York Times erinnert daran, dass Polen nicht das erste Land ist, das in eine derart dramatische Situation gerät:

Im vergangenen Jahr hat Ungarn, das mit einem ähnlichen Problem konfrontiert war, seine Banken dazu gezwungen, in Schweizer Franken abgeschlossene Immobilienkredite zu Zinsen unter Marktniveau in ungarische Forint zu konvertieren. Das Land wurde für diese Politik kritisiert, da sie ein Abkühlung des Bankensektors zur Folge hatte [...] Polen denkt über eine ähnliche Lösung nach. Die Premierministerin Ewa Kopakz erklärte, [...] sie sei gegenüber den Banken auf der Seite des Volkes. Aber der Finanzminister Mateusz Szczurek lehnte die ungarische Vorgehensweise ab und sagte, es sei "nicht die Rolle des States, alle Risiken aus dem Weg zu räumen, mit denen die Menschen möglicherweise konfrontiert werden“.

Dennoch ergreifen die Exekutive und die Marktteilnehmer andere Maßnahmen zur Entlastung der Kreditnehmer. Die Gazeta Wyborcza betont, dass

Die Regierung, der Finanzkontrollausschuss, die Behörde für Wettbewerbs- und Verbraucherschutz und die Banken selbst versuchen, den Kreditnehmern zu helfen. Die Banken haben den Spread verengt und den negativen LIBOR berücksichtigt, sodass die Zinsen der Kunden sanken.

Dennoch fragt sich die Warschauer Zeitung, ob diese Hilfe für Kunden, die Kredite in Franken aufgenommen haben, gerechtfertigt ist:

Sind die Polen, die Immobilienkredite in Schweizer Franken aufgenommen haben, wirklich im Nachteil? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Eine Person, die im Jahr 2006 einen Kredit von 75.000 Euro in Zloty aufgenommen hat, hat bis dato wesentlich höhere Monatsraten gezahlt. [...] Hat man einen Kredit in Schweizer Franken mit einer Laufzeit von 30 Jahren aufgenommen, ist es sehr wahrscheinlich, dass dieser sich am Ende als rentabler erweist.

Deutsche Übersetzung von Heike Kurtz, DVÜD