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„Historiker wettern gegen den Bundestag“, titelt Gazeta Wyborcza und bezieht sich auf den offenen Brief, der von 68 Historikern aus aller Welt unterzeichnet worden ist. Sie protestieren gegen einen jüngsten Bundestagsbeschluss zu den Vertriebenen aus Polen, Tschechien oder der Sowjetunion Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Beschluss sieht einen Vertriebenen-Gedenktag vor und bezeichnet die Charta der Heimatvertrieben von 1950 als den Grundstein zur Aussöhnung mit den Nachbarn. Nur, notiert Wyborcza, kommt das Wort „Aussöhnung“ in dem Dokument nicht einmal vor. Zudem wurde es damals von zahlreichen ehemaligen NSDAP-und sogar SS-Mitgliedern unterzeichnet. „Der Beschluss ist ein falsches geschichtspolitisches Signal“ schreiben die (mehrheitlich deutschen) Historiker. Die Tageszeitung aus Warschau betont, der Brief beweise, dass die deutsche Zivilgesellschaft die „Geschichtsumschreibung“ seitens der Politik ablehne, die versucht „Deutschlands Verantwortung am Krieg herunterzuspielen und dabei vergesse, von den Opfern zu sprechen.“ Das Blatt erinnert auch daran, dass die Aussöhnung mit dem „Hirtenbrief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder“ 1965 begann. In ihm standen die historischen Worte: „Wie gewähren Vergebung und bitten um Vergebung.“