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Mit seinem wie immer äußert feinen Gespür fürs Timing, wählte Italiens Staatschef diesmal Polen und die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Anfangs des Zweiten Weltkriegs, um Europa den Krieg zu erklären. Offensichtlich gereizt durch die kritischen Stimmen verschiedener europäischer Medien sowie der eines Kommissionssprechers über das Abweisen von 75 Migranten auf der Straße von Sizilien nach Libyen, donnerte der Cavaliere: "Wir werden uns so lange der Stimme enthalten und den Europäischen Rat blockieren, bis entschieden wird, dass kein Kommissionsmitglied, kein Sprecher mehr öffentlich zu irgendeiner Sache Stellung nehmen darf."

Nach erster allgemeiner Verblüffung spielten die kritischen Stimmen den Vorfall herunter, mit Ausnahme des Vorsitzenden der sozialistischen Fraktion, Martin Schulz, der die Kommission dazu aufrief, nachdrücklich auf den Angriff und die Order an die Kommission zu reagieren. La Stampa [notiert](http://www.lastampa.it/redazione/cmsSezioni/politica/200909articoli/46889girata.asp (but the quote is from a small comment on the paper)), dass es nicht das erste Mal sei, dass Berlusconi die Union ins Visier nehme, doch sei er noch nie so weit gegangen. "Der Präsident der Kommunikation, hasst die Kommunikation," kommentiert das Blatt aus Turin. Auf der anderen Seite, istdas Berlusconi-Blatt Il Giornale voller Lob für seinen Besitzer: "Berlusconis Handeln in Danzig muss im Licht der Geschichte gesehen werden", schreibt das Blatt voller Mitgefühl. "Jedes Mal, wenn er an den gesunden Menschenverstand appelliert, findet er neue Kraft, um mit veralteten Traditionen zu brechen."