“Es beschleunigt sich bei Dexia“, schreibt De Standaard. Die flämische Tageszeitung erklärt, dass Paris und Brüssel am 4. Oktober in einer Notsitzung die Rettung der französisch-belgischen Bank besprochen haben, die schon zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren in Schwierigkeiten ist. Die beiden Länder kamen überein, die Bank zu spalten und eine “Bad Bank“ zu bilden, welche dann die risikobehafteten Werte (griechische und italienische Anleihen, amerikanische Hypotheken) übernimmt. Der Chefredakteur des Standaard, Bart Sturtewagen, fragt sich, warum “die drei vergangenen Jahre nicht gereicht haben, um zu verhindern, dass jetzt wieder eine akute Bankkrise stattfindet“.

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Dexia war bekannt als eine Zombie-Bank, die sich tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen stellen musste. Eine unausgeglichene französisch-belgische Vereinigung, die zu sehr von den Schwankungen der Finanzmärkte abhängig war, um sicher zu sein. Eine Bank, deren gesunde Teile [...] nie Probleme gehabt hätten, wenn die Spielregeln befolgt worden wären. [...] Dexia ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit Beginn der Bankenkrise hat man nichts anderes getan als die Schulden des Finanzsektors an die Regierungen zu übertragen. Um eine Krise des Systems zu vermeiden, hat man versucht, die Banken und ihre Aktionäre zu schonen – in der Hoffnung, sie hätten durch den massiven Zustrom von billigem Geld genügend Zeit, ihre Kapitalstruktur zu verstärken. [...] Wir sind am Ende dieser Geschichte angelangt. Die Fortsetzung wird jetzt mit blutroter Tinte geschrieben. – De Standaard

Wie kam es soweit? Erst nahm Dexia für langfristige (teure) Finanzierungen von risikostarken Produkten kurzfristige (billige) Anleihen auf und sammelte dann bulimisch “Titel, Branchen oder ganze Portefeuilles. Spanien, Italien, Japan oder USA... sie kaufte alles, was es gab“, erinnert Le Figaro. So baute Dexia “eine ungeheuerliche Zinsspekulationsposition“ auf. Ab Oktober 2008 war Dexia dann “wie ein hormongedoptes Rind in Verlegenheit“, schreibt die französische Tageszeitung. Und schließlich brachte die Krise der Eurozone das extrem empfindliche Gefüge zum Einstürzen. Doch “zum Glück ist es eine Seltenheit“.

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Le Figaro

Für Les Echos steht mit der Sanierung der Dexia-Bank die Glaubwürdigkeit der betroffenen Staaten auf dem Spiel:

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So schwerwiegend die Fehler der Vergangenheit auch sein mögen, der Dexia-Skandal hätte schon vor drei Jahren abgeschlossen werden können. Dazu hätten der belgische und der französische Staat im Oktober 2008 ins Fleisch schneiden müssen. Doch sie haben lieber abgewartet. Natürlich waren sie da nicht die einzigen. Mehrere europäische Staaten gingen dasselbe Risiko ein. Drei Jahre später sind die meisten dieser (spanischen, deutschen, italienischen...) Institute immer noch nicht aus dem Schneider. Sie überleben wie Zombies, durch die Kreditfazilitäten der EZB, und unterhöhlen das Vertrauen in den gesamten europäischen Banksektor. Sie sind richtige Zeitbomben. [...] Und das Problem ist, dass die Finanzkrise in der Zwischenzeit zur Staatsschuldenkrise geworden ist. Und dass es sich heute nicht mehr nur um das Aufräumen im Bankensektor geht, sondern vielmehr um die Kreditwürdigkeit der betroffenen Staaten an den Märkten. – Le Figaro

Dexia zeigt den europäischen Banken, wo es langgeht“, meint Cinco Dias. Die spanische Wirtschaftszeitung sieht es so:

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Dexia ist bei weitem kein Einzelfall. Sie ist das erste sichtbare Opfer der schweren Strukturschäden geworden, die die Staatsschuldenkrise bei den europäischen Finanzinstituten hervorgerufen hat. Dass sie die Stresstests vom letzten Sommer mit einer guten Note bestanden hat, ist der Beweis für die zweifelhafte Zuverlässigkeit dieser Tests, aber auch – und vor allem – für die bedeutenden Änderungen, die sich bei der „Momentaufnahme“ des Bankensystems seither vollzogen haben. Zieht man in Betracht, dass diese Tests nie den Zahlungsausfall [ganzer Staaten] oder griechischer Anleihen berücksichtigt haben, ist das nicht weiter überraschend. [...] Der Weg, den Dexia eingeschlagen hat, darf kein Einzelfall bleiben. Er muss der erste Schritt eines Prozesses zur Rettung, zur Sanierung und zur Umstrukturierung des Finanzsystems sein, der nicht länger warten kann. – Le Figaro