Presseurop wird eingestellt: „Ein Fenster auf das Leben der Europäer schließt sich“

19. Dezember 2013 – Presseurop

Presseurop wurde im Mai 2009 gestartet. In ihrer jetzigen Form wird die Seite am 20. Dezember aufgrund mangelnder Finanzierung eingestellt. Das Ende eines journalistischen Experiments mit bürgernahen Dimensionen, so bedauert die europäische Presse.

Als die Seite 2009 online ging, „beschrieb die EU-Kommissarin für Kommunikation, Margot Wallström, Presseurop als den Ausdruck unseres Bestrebens, die Entstehung eines öffentlichen europäischen Kommunikations-, Diskussions- und Debattierforums zu begünstigen, zu fördern und zu unterstützen“, erinnert Lettera 43. Heute, schreibt die italienische Nachrichtenseite...

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... hat Brüssel trotz aller Hochachtung und Anerkennung von Seiten der Fachwelt beschlossen, wenige Monate vor der Europawahl im Mai 2014 – ausgerechnet dann, wenn die Bürger sich informieren, wählen und über die Zukunft der Institutionen entscheiden sollen – eben diese Information zu reduzieren.

„Ein Fenster auf das Leben der Europäer schließt sich“, stellt La Croix fest. „Presseurop hielt es weit offen“, schreibt die französische Tageszeitung und bedauert...

... diesen Verlust für das gegenseitige Verständnis der Bürger der 28 Mitgliedsstaaten, und dies sechs Monate vor einer Europawahl, die als die Stunde des Durchbruchs für die Euroskeptiker angekündigt wird.

„Vier Jahre lang hatte Europa ein schönes, unabhängiges, länderübergreifendes Medium“, meint VillaMedia in den Niederlanden. Die professionelle Nachrichtenseite zum Thema Medien urteilt:

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Presseurop schien ein ausgezeichnetes Mittel, den Dialog und die Diskussion zwischen der EU und ihren Bürgern einzurichten. [...] Ohne dass man ihm die Zeit zur Ausreifung gelassen hätte, wird dieses wertvolle Projekt abgeschafft.

„Als ich [Presseurop] zu meinen Favoriten hinzufügte, war ich mir weder seines Nutzens noch seines Prestiges oder seiner Auswirkungen bewusst“, erzählt der europäische Blogger Nacho Segurado.

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Ich speicherte es einfach als Quelle, weil es mir eine wertvolle Veröffentlichung zu sein schien, der Embryo eines großen paneuropäischen Mediums, das vielen von uns fehlt. Wenn Europa eine Nation werden will – und das heißt ja, was es heißt – dann ist eine eigene Presse etwas Vitales.

[Presseurop „lässt uns daran glauben, dass der europäische Traum greifbar ist“]], findet Mircea Vasilescu, der Chefredakteur der Wochenzeitung Dilema Veche, in einer im Adevărul veröffentlichten Kolumne:

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Indem es Lesern aus allen Ländern die Möglichkeit gibt, in ihrer jeweils eigenen Sprache die wichtigen europäischen Themen zu kommentieren, hat [Presseurop] einen großen Schritt in Richtung einer europäischen Öffentlichkeit getan. Was die Europäische Kommission seit Jahren erreichen will, aber nicht kann. [...] Natürlich bricht die Welt nicht zusammen, wenn Presseurop verschwindet. Aber der Beschluss, diese Website zu schließen, ist ein schlechtes Zeichen für die europäische Zukunft. [...] Ohne Presseurop werden die Ideale des europäischen Aufbaus nur noch rhetorischer werden.

Nach viereinhalb Jahren Arbeit und mehreren Monaten Ungewissheit über das Schicksal unserer Website, „zeigt dieses vergeuderische Verschwinden Presseurops die Isolation auf, unter der die europäischen Angelegenheiten in den Medien leiden“, analysiert der auf die Kommunikation in Europa-Angelegenheiten spezialisierte Blog Europäische Kommunikation entschlüsseln:

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Zwischen den europäischen Medien, die sich auf den Apparat in Brüssel konzentrieren und auf eine Leserschaft von Spezialisten und Experten beschränken, und den nationalen Medien, die dem Mittelpunkt der europäischen Macht fern sind und deren Korrespondenten vor Ort sich auf das strikte Minimum begrenzen müssen, ist Presseurop etwas Unklassifizierbares. Es erforscht unbekanntes Gebiet und sorgt deshalb für Unbehagen. [...] Presseurop: eine Synthese, deren Verschwinden das Ende einer bestimmten Vorstellung des Informationsmediums über Europa für Europäer besiegelt.

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