Finanzmarktinvestoren und deutsche Politiker haben eigentlich nicht viel gemein: Normalerweise verstehen die einen nicht, warum die anderen solange brauchen, bis sie die Beschlüsse irgendwelcher Krisengipfel umsetzen. Umgekehrt dienen die einen den anderen als bevorzugte Sündenböcke, wenn es darum geht, wer die Krise denn nun verursacht hat.

Es gibt allerdings einen Punkt, in dem sich beide ungewöhnlich einig sind: ihre Sicht der deutschen Finanzpolitik. Sie gilt als solide und als Vorbild für alle südeuropäischen Schluderländer. Auch wenn die Fakten ganz anders aussehen: An dieser Weisheit will so recht keiner rütteln.

So durfte Unions-Fraktionschef Volker Kauder jüngst auf dem CDU-Parteitag jubeln, in Europa werde jetzt “Deutsch gesprochen”. Mit dieser chauvinistischen Kraftmeierei fasste er die Politik seiner Kanzlerin ziemlich gut zusammen. Seit Ausbruch der Euro-Krise im Frühjahr 2010 heißt das Mantra von Angela Merkel: Wenn nur alle so toll sparen würden wie die Deutschen, gäbe es keine Probleme.

Eines muss man Merkel lassen: Sie war offenbar sehr überzeugend. Die Investoren an den Finanzmärkten jedenfalls scheinen der Bundeskanzlerin zu glauben. Während sie beim Kauf von Staatsanleihen inzwischen von nahezu allen anderen Euro-Ländern höhere Zinsen verlangen, überlassen sie dem deutschen Finanzminister ihr Geld quasi zum Nulltarif.

Warum das so ist, lässt sich mit rationalen Argumenten kaum erklären. Wer auch nur ein bisschen genauer hinschaut, merkt natürlich, dass es um Länder wie Spanien oder Italien keineswegs so schlecht steht, wie es die hohen Zinsaufschläge signalisieren. Erst recht wird er aber feststellen, dass Deutschland nicht der Sparmusterknabe ist, der es vorgibt zu sein. Lesen Sie den ganzen Artikel auf Spiegel Online...