Emma Bonino, eine der prägendsten Persönlichkeiten der italienischen und europäischen Politik der letzten Jahrzehnte, ist am 11. September im Alter von 78 Jahren in Rom verstorben. Die ehemalige EU-Kommissarin und Europaabgeordnete, ehemalige Außenministerin, Senatorin und italienische Abgeordnete gehörte zu den historischen Führungspersönlichkeiten der Radikalen Partei. Als überzeugte Europäerin gründete sie 2017 die Partei +Europa, die sich für die europäischen Werte und Errungenschaften einsetzt und der liberalen Fraktion im Europäischen Parlament angehört.
Bonino gehörte zu den Protagonistinnen und Protagonisten der Bürgerrechtskämpfe, die Italien in den 1970er Jahren prägten – insbesondere jene um die Legalisierung von Scheidung und Abtreibung sowie um die Legalisierung weicher Drogen und für den Schutz ethnischer Minderheiten. Ihre Kämpfe wurden oft von Kampagnen des zivilen Ungehorsams und Hungerstreiks geprägt, die lange Zeit ein Markenzeichen der Radikalen Partei waren.
Ihre libertäre, liberale und antikommunistische Haltung hat sie regelmäßig in eine Position im Konflikt mit ihrer „natürlichen“ progressistischen politischen Familie gebracht, nachdem sie in rechts- und Mitte-Links-Regierungen gedient hatte, während ihre Offenheit und ihre ideologische Unabhängigkeit ihr sowohl Kritik als auch Lob einbrachten. Obwohl sie durch ihre Krankheit geschwächt war – sie hatte 2015 bekannt gegeben, an Krebs erkrankt zu sein, von dem sie 2023 eigenen Angaben zufolge geheilt war –, hat sie nie aufgehört, sich in die öffentliche Debatte in Italien einzubringen, um laizistische und antipopulistische Positionen zu verteidigen.
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