Die „Schweiz der Ostsee“ geht als Sieger aus der Zypernkrise hervor

Veröffentlicht am 26 März 2013

„Geschäftsleute und Sparer aus Russland suchen neue Brücke zum Euroraum, Lettland ist der ideale Kandidat“, schreibt Martin Ehl in Hospodářské noviny. Das Land im Zentrum des Baltikums soll am 1. Januar 2014 in die Eurozone eintreten und zeichnet sich durch „eine große russische Minderheit [27 Prozent der Bevölkerung] und sehr dynamische Banken aus. Es gilt als die Schweiz des postsowjetischen Zeitalters“.

Martin Ehl erklärt ferner –

60 Prozent der Bankeinlagen des Landes entfallen wie in der Schweiz auf Guthaben der nicht im Land ansässigen Sparer (10 Milliarden Euro). Infolge der 2009 eingeführten Reformen ist (im Gegensatz zu Zypern) die Bankenaufsicht merklich verschärft worden. Seitdem ist auch das Gewicht des Bankwesens in der Gesamtwirtschaft zurückgegangen. […] Inoffiziellen Quellen zufolge wurden bereits einige Überweisungen aus Zypern im Rahmen des Geldwäschegesetzes abgelehnt.

Um Befürchtungen, dass Lettland dasselbe Schicksal ereilt wie Zypern, zu zerstreuen, Abkommen über den Rettungsplan für Zypern: „Lettland wird sich nicht um die zyprischen Guthaben bemühen. Unser Land hält das Geschäft mit ausländischen Volkswirtschaften für sehr gefährlich, deshalb wurden strenge Vorschriften erlassen.“

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Dennoch „dürfte Lettland in den Augen der russischen Sparer und Oligarchen als Finanzbrücke zur Europäischen Union an Bedeutung gewinnen, denn als Mitglied der Eurozone wird das Land im Gegensatz zu den von der Krise gebeutelten Mittelmeerländern zum harten Kern der EU gehören.“

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