Über einen Punkt sind sich alle Beobachter im Hinblick auf die Krise, die die Euro-Zone derzeit durchmacht, einig: Europa fehlt es sowohl aus wirtschaftlicher als auch politischer Sicht an klarer Führung, und das ist einer der Hauptgründe für die Instabilität, die die Einheitswährung, wenn nicht sogar das Zusammenwachsen Europas bedroht.
Unseren Lesern zufolge wäre derzeit keine europäische Führungsperson (zumindest von den in unserer Umfrage genannten) in der Lage, Europa aus den Turbulenzen zu helfen. An der Spitze liegt Angela Merkel, die sich offensichtlich weigert, die Verantwortung, die ihr aufgrund der wirtschaftlichen und demografischen – und damit politischen – Situation ihres Landes zufällt, in vollem Umfang zu tragen. Gefolgt wird sie vom Präsidenten der Europäischen Zentralbank, der keine politischen Entscheidungen treffen kann und nur über einen beschränkten Aktionsradius verfügt. Derjenige, der am stärksten zum Handeln entschlossen scheint, nämlich Nicolas Sarkozy, kann allein nichts tun. Und Herman Van Rompuy letztlich, der aufgrund seines Amtes diese Führungsrolle übernehmen müsste, verfügt hierzu weder über die notwendigen Mittel noch über die Befugnis.
Im Ergebnis steuert jeder sein Möglichstes bei, um die Einheitswährung und die Union über Wasser zu halten, wovon die Börsenkurse jedoch offensichtlich unbeeinflusst bleiben. Das „Königspaar“ hat zwar versucht, letzteren neue Zuversicht zu geben, indem es sich für verstärkte wirtschaftliche und politische Integration aussprach, seine Vorschläge wurden jedoch sowohl von den Anlegern als auch von den Partnern ohne große Begeisterung aufgenommen.
Zumindest ergreift der deutsch-französische Motor in einem wie gelähmt wirkenden Europa Initiativen. Es fehlt ihm jedoch an der demokratischen Legitimierung, die seinen Vorschlägen den notwendigen Nachdruck verleihen würde, um sich in der EU durchzusetzen. Diese Macht hätte allein eine europäische föderale Regierung, deren Mitglieder im Rahmen einer Wahl mit allgemeinem Wahlrecht gewählt würden, und zumindest konnte durch die aktuelle Krise eine dahingehende Entwicklung beschleunigt werden. Selbstverständlich unter der Bedingung, dass der Euro die Feuerprobe übersteht, die er gerade durchmacht.
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