Hasskriminalität in Griechenland

Veröffentlicht auf 14 August 2012 um 14:40

Im heiligen Fastenmonat Ramadan ist die Zahl der durch Hass motivierten Übergriffe auf Muslime sprunghaft angestiegen. Am 12. August wurde ein neunzehnjähriger Iraker vor einer behelfsmäßig errichteten Moschee im Zentrum Athens ermordet. Nach Polizeiaussagen wurde der Teenager von fünf Motorradfahrern erstochen. Kurz zuvor hatten die Angreifer laut Zeugenaussagen versucht, rumänische und marokkanische Einwanderer anzugreifen. Bisher wurde niemand festgenommen. Unterdessen häufen sich ähnliche Übergriffe, berichtet Kathimerini und fragt sich:

Gibt es in Athen keine Richter mehr? Keinen Staatsanwalt? Die Frage stellt sich, weil offenbar kriminelle Banden durch die Stadt ziehen, Mitmenschen schlagen, niederstechen und ermorden und die Staatsgewalt noch immer nicht bereit oder in der Lage ist, irgendetwas dagegen zu unternehmen. [...]

In diesem Land ging es noch nie gemäßigt zu. Von der oberflächlichen Fortschrittlichkeit der Beamten und ihrer Passivität gegenüber illegaler Einwanderung haben wir das andere Extrem erreicht; den Faschismus der Gleichgültigkeit, während diese Menschen ermordet werden. [...]

Als sie illegal in unser Land schlichen, ging uns das nichts an; ebenso wie wir uns einen Dreck darum kümmern, wenn andere sie zusammenschlagen. Und obendrein kommen die zuständigen staatlichen Behörden nicht ihren Pflichten nach. [...]

Wir brauchen einen Staatsanwalt, der seine Aufgaben erfüllt und Gesetze zur Anwendung bringt. Einen Staatsanwalt, der ermittelt, ob Polizeibeamte Verbindungen zur [Neonazi-Partei] Goldene Morgenröte unterhalten. Einen Staatsanwalt, der sich auch auf den Straßen verstärkt für die Wahrung der Rechtsordnung einsetzt. Das Land kann nicht zur Geisel krimineller Banden werden, die ihr eigenes Verständnis von Rechtmäßigkeit durchsetzen wollen.

„Der Mord ereignete sich vor dem Hintergrund einer großangelegten Razzia gegen illegale Einwanderer im Großraum Athen“, berichtet Kathimerini. Bei der Operation mit dem nicht ganz gelungenen „Codenamen Zeus Xenios, nach dem griechischen Gott Zeus, Beschützer der Reisenden, wurden 1.596 Einwanderer ohne Aufenthaltspapiere verhaftet. 7.361 wurden kontrolliert.“ In den vergangenen sechs Monaten kam es „in Griechenland zu fast 500 rassistisch motivierten Übergriffen“, berichtet die Tageszeitung unter Berufung auf Statistiken des Migrantenverbands.

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