Data Geschlechtergleichstellung

Noch 84 Jahre, um das geschlechtsspezifische Lohngefälle in Europa zu beheben

Anhand von Eurostat-Daten hat der Europäische Gewerkschaftsbund das Schneckentempo ermittelt, in dem die EU- Länder daran arbeiten, das geschlechtsspezifische Lohngefälle zu verringern.

Veröffentlicht auf 8 März 2021 um 15:57

Die Studie des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB), basierend auf Eurostat-Daten zeigt, dass das geschlechtsspezifische Lohngefälle in der EU bei der derzeitigen Fortschrittsrate erst im nächsten Jahrhundert, genauer gesagt im Jahr 2104 aufgehoben sein wird. Tatsächlich ist das geschlechtsspezifische Lohngefälle in den letzten acht Jahren lediglich um 1 % zurückgegangen, was den EGB zu dem Schluss kommen lässt, dass es noch weitere 84 Jahre dauern wird, bis die Gleichstellung erreicht sein wird.

Dabei handelt es sich jedoch um einen Durchschnittswert. Auch zu berücksichtigen ist, dass das geschlechtsspezifische Lohngefälle stark variiert zwischen den Mitgliedstaaten. In folgenden neun Ländern geht der Trend in die richtige Richtung: Bulgarien, Irland, Kroatien, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Portugal und Slowenien. Frankreich lag mit einem Lohnunterschied von 15,5 % im Jahr 2018 besonders weit hinten.

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Der Abstand zwischen den Gehältern verringert sich dort mit  0,1 % seit 2010 so langsam, dass es über 1.000 Jahre dauern wird, um gleiche Bezahlung zu erreichen. In Deutschland und der Tschechischen Republik, wo der Abstand über 20 % beträgt, wird es bis zum Jahr 2121 dauern. Nur in Belgien, Luxemburg und Rumänien, einem Land, in dem die Löhne nach wie vor sehr niedrig sind, könnte die Gleichstellung im nächsten Jahrzehnt erreicht werden. In Dänemark, den Niederlanden, Österreich oder Schweden kann dies erst nach 2050 passieren.

Der EGB ist besorgt darüber, dass trotz der Versprechen von  EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, bisher noch keine verbindlichen Maßnahmen zur Lohntransparenz verabschiedet wurden. In einem Schreiben an die Kommission erinnert der EGB daran, dass freiwillige Maßnahmen der Unternehmen nicht ausreichen und dass Frauen während der Covid-Krise in "systematisch unterbewerteten Jobs" an vorderster Front gearbeitet haben. 

In Partnerschaft mit der European Data Journalism Network


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