Data Europa und Kohlenstoffemissionen | 1

Wieviel CO2 kostet uns die Energie?

Gemessen an den CO2-Emissionen ist die Energieerzeugung die menschliche Aktivität mit den größten Auswirkungen auf die Umwelt in Europa. Obwohl die Emissionen in der EU abnehmen, gibt es immer noch große Hindernisse auf dem Weg zur Klimaneutralität. Unterdessen werden im Osten in naher Zukunft Dutzende neue Kohlekraftwerke gebaut.

Veröffentlicht auf 8 Februar 2021 um 17:46

Um die Auswirkungen des Klimawandels zu lindern und zu bekämpfen, hat die Europäische Union in den letzten Jahren eine Reihe von Initiativen ergriffen, um die durch menschliche Aktivitäten verursachten CO2-Emissionen zu reduzieren. Darunter die Einführung strengerer Grenzwerte und die Bereitstellung umfangreicher Mittel, um den Übergang zu sauberer Energie anzukurbeln. Im Jahr 2018 erklärte die EU ihre Absicht, schrittweise die Klimaneutralität, bzw. Null Netto-Emissionen zu erreichen.

CO2-Emissionen in Europa

Bestimmte menschliche Aktivitäten haben einen viel größeren Einfluss auf die Umwelt als andere. Laut den Daten der Europäischen Umweltagentur verursacht die Energieerzeugung die meisten CO2-bedingten Schäden in den EU-Mitgliedstaaten. Zwischen 1990 und 2018 war der Energiesektor im Durchschnitt für ein Viertel aller Emissionen verantwortlich, dicht gefolgt von der Industrie, die in den letzten Jahren vom Verkehrssektor übertroffen wurde.

Nicht alle Mitgliedstaaten folgen den gleichen Trends bei den CO2-Emissionen und Quellen. Schaut man sich die Zahlen der Europäischen Umweltagentur in den unterschiedlichen Ländern an, merkt man, wie groß die Unterschiede sind.

In Bulgarien (48 Prozent), Polen (47 Prozent) und der Tschechischen Republik (45 Prozent) macht die vom Energiesektor verursachte Emissionsmenge fast die Hälfte der Gesamtemissionen aus. In Deutschland, dem Land mit den in absoluten Zahlen höchsten CO2-Emissionen in Europa, ist der Energiesektor für fast 40 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich. In einigen Ländern, wie z. B. Frankreich, sind andere Sektoren für den Großteil der Emissionen verantwortlich, während der Energiesektor nicht viel mehr als 10 Prozent ausmacht.

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In den letzten dreißig Jahren sind die Emissionen in den meisten europäischen Ländern gesunken. Ausgesprochen drastisch war dieser Rückgang in den baltischen Republiken und Rumänien. Andere Länder wie Irland und Spanien haben die Emissionswerte auf einem mit den 1990er Jahren vergleichbaren Niveau gehalten. Hier ist anzumerken, dass ein Rückgang der Emissionen in absoluten Zahlen an sich nicht unbedingt positiv ist, zumal dies auch ein Zeichen für eine stagnierende oder kollabierende Wirtschaft sein kann.

Die Auswirkungen von fossilen Brennstoffen

Die zahlreichen Unterschiede der relativen Auswirkungen des Energiesektors auf die Gesamtmenge der CO2-Emissionen in den einzelnen Ländern können auf die Energieerzeugungs-Quellen zurückgeführt werden. Mit den Daten von ENTSO-E Transparency kann eine detaillierte Analyse der Quellen durchgeführt werden, die zur Energieerzeugung in jedem Land verwendet werden.

Deutlich ist, dass Frankreich, wo die CO2-Emissionen des Energiesektors besonders niedrig sind, hauptsächlich auf erneuerbare Energien und Kernenergie angewiesen ist. Die Länder, in denen der Energiesektor viel größere Mengen an CO2 produziert, sind tendenziell stärker auf fossile Brennstoffe angewiesen.

Vergleicht man den prozentualen Anteil der durch fossile Brennstoffe erzeugten Energie in jedem Land und den Anteil der Emissionen des Energiesektors an den Gesamtemissionen, wird dieser Zusammenhang klar. In Estland zum Beispiel, dem EU-Land mit der größten Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, produziert der Energiesektor genau 70 Prozent der CO2-Emissionen.

Die Länder, die für ihre eigene Energieversorgung weitgehend von fossilen Brennstoffen abhängig sind, sind auch die Nationen, die durch die Energieproduktion die größte Umweltverschmutzung verursachen. Angesichts der Größe vieler dieser Länder (Deutschland, Italien, das Vereinigte Königreich und Polen) gilt dies sowohl in relativer als auch in absoluter Hinsicht.

Kraftwerke in Europa

Die von Open Power System Data gesammelten Daten machen deutlich, wie konventionelle Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen, Kernenergie und erneuerbaren Energien (Wasserkraft und Biogas) betrieben werden, in 15 EU-Mitgliedstaaten verteilt sind.

Je größer die Energiekapazität eines Kraftwerks ist, desto größer sind die Größenordnungen bzw. Ausmaße auf der untenstehenden Karte: Ein kurzer Blick genügt, um zu erkennen, dass nicht-erneuerbare Energie-Kraftwerke nicht nur deutlich mehr Strom erzeugen, sondern auch in der Überzahl sind.


Leider sind die osteuropäischen Länder nicht in diesen Daten enthalten. Um einen zumindest teilweisen Überblick über die Situation in diesen Staaten zu erhalten, müssen andere Quellen herangezogen werden. Die Arbeit von Europe Beyond Coal, das sämtliche Kohlekraftwerke in Europa verfolgt, zeigt, dass die Anzahl der Kohlekraftwerke in Ländern wie Polen und der Tschechischen Republik extrem hoch ist.

Neben der absoluten Anzahl der Kraftwerke bereiten auch die zukünftigen Projekte Sorgen: Während Deutschland in den kommenden Jahren zahlreiche Kohlekraftwerke stilllegen will, planen Polen und die Tschechische Republik, noch mehr zu bauen. Das gilt auch für Rumänien. Außerhalb der EU, darunter auch bei den Beitrittskandidaten, ist die Tendenz ähnlich. In den nächsten Jahren werden auf dem Balkan viele neue Kohlekraftwerke gebaut: Vier in Serbien und elf in Bosnien-Herzegowina. In der Türkei werden 51 neue Anlagen konstruiert.

Null Emissionen: Zu anspruchsvoll?

In vielen europäischen Ländern wird der Energiesektor auch in den kommenden Jahren erhebliche Auswirkungen auf die CO2-Emissionen haben. Nur einige wenige Länder haben ein umfangreiches Programm gestartet, um sich von fossilen Brennstoffen zu befreien.

Um bis 2050 das Null-Emissions-Ziel zu erreichen, hat die Europäische Union mittelfristige Ziele festgelegt. Für 2020 wurden sie gerade so erreicht. Laut den aktuellen Hochrechnungen hinken wir allerdings hinter dem Zeitplan für die Ziele für 2030 her.

Das liegt daran, dass diese mittelfristigen Ziele und die zu ihrer Erreichung geförderte Politik mit dem komplexen Netzwerk wirtschaftlicher und politischer Interessen kollidieren, die nach wie vor nicht-erneuerbare Energien subventionieren: Industriekonzerne nutzen jede Gesetzeslücke aus, um sich das „Recht auf Verschmutzung“ zu erkaufen, und private Investmentbanken stecken noch immer Milliarden Euro in die Förderung und Produktion fossiler Brennstoffe.

👉 Originalartikel im OBC Transeuropa.

In Partnerschaft mit der European Data Journalism Network


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