Irland verbittert über die Rettung

Veröffentlicht am 29 November 2010

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„Der Deal geht über 85 Milliarden Euro – der Rest hängt von uns ab“, titelt der Irish Independent, nachdem der IWFund die EU die Rettungsaktion über 85 Milliarden Euro für das wirtschaftlich schwer getroffene Land abgeschlossen haben. Die massive Geldspritze wird durchschnittlich 5,8 Prozent Zinsen kosten – einen Satz, den der Irish Examiner als „lähmend“ bezeichnet und der alleine schon durchschnittlich 10 Milliarden Euro jährlich an Rückzahlungen ausmachen wird. Der Irish Independent schreibt, die Hilfe werde unter der Bedingung geleistet, dass Irland 17,5 Milliarden Euro zu seiner eigenen Rettung beiträgt, und zwar aus seinen Rentenkassen (12,5 Milliarden Euro) und seinen Barreserven. „Bis jetzt“, so die Dubliner Tageszeitung, „war es nach irischem und europäischem Recht illegal für Irland, seine Rentenkasse für die Deckung laufender Kosten zu verwenden.“

„Das ist kein Rettungsplan“, schreibtKolumnist Fintan O’Toole – Zeremonienmeister bei der 100.000 Menschen starken Demonstration vom 27. November gegen die Sparpolitik – in der Irish Times. „Es ist die längste Lösegeldforderung der Geschichte: Tut, was wir euch sagen, und vielleicht bekommt ihr irgendwann einmal euer Land zurück.“ O’Toole beschuldigt die EU, selbst „nur Spielball der europäischen Banken und der EZB“ zu sein, und schreibt: „Es gibt zwei internationale Möglichkeiten für den Umgang mit gebrochenen und straffällig gewordenen Staaten: die Versailles-Lösung und die Marshallplan-Lösung. Nach dem Ersten Weltkrieg verhängte der Vertrag von Versailles schwere Reparationen über Deutschland, die dazu beitrugen, sowohl Deutschland als auch Europa zu zerstören... Die gestrige Rettungsaktion für das gebrochene und straffällig gewordene Irland erinnert weit mehr an Versailles als an einen Marshallplan.“

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